Berliner Beflaggung : Aufgeklärte Schutzmänner

Werner van Bebber wundert sich über die liberale Gesinnung von Berlins Polizeipräsident Glietsch in Sachen Regenbogenflagge. Bei der Nationalfahne sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Werner van Bebber

Das Hissen der Regenbogenfahne kann eine komplizierte Sache sein. Das muss derzeit der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch erfahren. Da wollte der erste aller Schutzmänner in der Hauptstadt vorführen, wie liberal und aufgeklärt seine uniformierten und nicht-uniformierten Untergebenen sind - und was ist die Folge? Ärger in der Behörde - und bizarrerweise der Eindruck, dass es mit der Liberalität der Polizei in der Polizei nicht so weit her ist.

Der Reihe nach: Glietsch hatte zum Christopher Street Day die Regenbogenfahne der Homosexuellen vor dem Polizeipräsidium hissen lassen. Und wie das mit den supergut gemeinten Gesten so ist: nicht alle halten sie für angebracht. So scherzten wohl ein paar Polizisten über die Geste in polizei-internen E-Mails - und andere beklagten sich über des Chefs gar nicht liberale Einstellung zu Fahnen, wenn es um jene Wimpel geht, die jetzt immer bei großen Fußballereignissen Mode sind. Bei der Europameisterschaft nämlich hatte Glietsch fußballbegeisterten Streifenwagenbesatzungen verboten, ihre Dienstfahrzeuge schwarz-rot-gold zu beflaggen. In Glietschs polizeipräsidialer Flaggenordnung gibt es also, das zeigt der ganze Ärger, politisch-korrekte Fahnen und solche, deren Symbolgehalt mit dem Polzeibeamtenverhaltenskodex nicht zu vereinbaren sind - auch wenn es sich um die Nationalfahne handelt.

Man könnte aus diesem ganzen Behördenärger schließen, dass in Berlin derzeit nicht genug los ist, um so einen routinierten Polizeipräsidenten in Betrieb und auf dem notwendig hohen Adrenalinniveau zu halten. Aber wir haben jetzt gerade die Obama-Festwoche: Alles wird sich in den kommenden Tagen um Obama-Fragen drehen. Von denen sind manche eher banaler Natur, zum Beispiel die Frage, wie lange Obama und das Brandenburger Tor auf einem Fernsehbild zu sehen sein dürfen, ohne dass die Frau Bundeskanzlerin die Mundwinkel nach unten zieht. Andere Fragen, zum Beispiel die nach der Sicherheit eines Mannes, der zu den gefährdesten auf dieser Welt gehören dürfte, sollten auch den Berliner Polizeipräsidenten bewegen. Hoffentlich kommt er dazu - zwischen all den Belehrungsgesprächen in Sachen Regenbogenfahne.

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