Meinung : Auf den zweiten Blick

SCHWARZ-GRÜNE ANNÄHERUNG IN BERLIN

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Vor nicht allzu langer Zeit konnte sich im Land Berlin kaum jemand eine schwarzgrüne Koalition vorstellen. Das war, als auf der einen Seite Diepgen und Landowsky regierten (Diepgen nannte die Grünen einst „Ersatzkommunisten“) und auf der anderen Seite noch Selbstgestricktes aus Männerhand hoch im Kurs stand (hier wurde die CDU wegen diverser Affären schon mal als „kriminelle Vereinigung“ verunglimpft) – ein echter „Clash of Civilizations“. Das war aber auch die Zeit, als jeder für verrückt erklärt wurde, der es für möglich hielt, dass in Berlin einst die SED-Nachfolger mitregieren könnten. Heute kommen drei Senatoren von der PDS, und immerhin ein Viertel der Grünen-Anhänger kann sich eine Koalition mit der CDU gut vorstellen – die meisten anderen würden sich wohl zumindest damit abfinden. Das liegt an viererlei: In der CDU sind die alten Feindbilder an der Spitze ersetzt worden durch aufgeschlossenere Pragmatiker, bei den Grünen ist Bürgerlichkeit kein Schimpfwort mehr, sondern gelebter Rationalismus, die politischen Alternativen sind in der Stadt nicht mehr so extrem (mit Ausnahme vielleicht in der Innenpolitik) – und die SPD ist vergeben. Das könnte noch spannend werden, auch für Rot-Rot. lom

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