Bashir al Assad, Präsident Syriens : "Der Besuch ist für mich historisch"

Roter Teppich und Ehrengarde im Elysée-Palast statt Boykott und Terrorismus- Vorwurf: Wohl kaum ein Vertreter der nichteuropäischen Mittelmeeranrainerstaaten ist der Einladung nach Paris so begeistert gefolgt wie der syrische Staatschef Bashir al Assad.

Andrea Nüsse

Die Reinigung des Meeres und der Studentenaustausch, die bei der Gründung der Union für das Mittelmeer beschlossen wurden, sind dabei nebensächlich. Der erste Besuch Assads in Paris seit 2001 markiert die Rehabilitation des syrischen Führers – nach Jahren des Boykotts durch Frankreich, das Syrien eine Verwicklung in den Mord am libanesischen Ex-Premier Rafik Hariri vorwirft.

Der damalige französische Präsident Chirac, ein enger persönlicher Freund des Multimillionärs Hariri, hatte damals die traditionell engen Beziehungen auf Eis gelegt und sich damit der Boykotthaltung der USA angeschlossen, die Syrien die Beihilfe zum Terrorismus vorwerfen, weil Damaskus die islamistische Hamas in Palästina und die Hisbollah im Libanon unterstützt.

Doch Nicolas Sarkozy verspricht sich mehr Einfluss auf Syrien durch Kontakte und setzt sich damit von der kompromisslosen Haltung der USA ab. Das Ende der Blockadepolitik der prosyrischen Hisbollah im Libanon, die sich im Doha-Abkommen politisch durchsetzen konnte, machte es möglich, diese Neuorientierung zu krönen: Der Generalsekretär des Elysée hat persönlich die Einladung zum Mittelmeergipfel nach Damaskus überbracht. Für Assad ist dies nach eigenen Angaben die „historische“ Gelegenheit, ein neues Kapitel in den Beziehungen zu Frankreich und Europa aufzuschlagen.

Nach seinem Amtsantritt 2000 war der heute 42-Jährige im Westen mit offenen Armen empfangen worden. Die offene Opposition zum Irakkrieg hatte die Amerikaner gegen Syrien aufgebracht. Seine Einmischung im Libanon, wo Syrien 2004 eine Verfassungsänderung durchsetzte, um einen Verbündeten im Präsidentenamt zu halten, hatte Europa ihm entfremdet. Seit dem Anschlag auf Premier Rafik Hariri galt Assad im Westen als Paria.

Dies trieb Syrien immer enger in eine Allianz mit dem Iran. Assad hat seine Positionen nicht verändert. Aber durch die indirekten Gespräche mit Israel seine allgemeine Gesprächsbereitschaft deutlich demonstriert. Die Einladung nach Paris ist ein Erfolg für Assad – und eine Hoffnung für die Region, deren Krisen ohne Gespräche mit Damaskus nicht gelöst werden können. Andrea Nüsse

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