Meinung : Beim Thema Tod herrscht Unsicherheit

„,Ich möchte unter freiem Himmel sterben‘ / Moderne Medizin kann vieles – doch wann darf ein Mensch das Leben verlassen? Michael de Ridder ist dem Tod 1000-mal begegnet. Ein Gespräch zum Totensonntag“ vom 21. November

Es nützt nichts, wenn man solche schön klingenden Sprüche benutzt, wie „ich fühle mich in der Natur gut aufgehoben, als Teil eines Prozesses vom ewigen Werden und Vergehen“ oder von einer „Akzeptanz des Todes“ plappert. Die Wahrheit bleibt eben, dass man mit großer Unsicherheit vor den Ereignissen Sterben und Tod steht, wie Herr de Ridder am Anfang des Interviews auch eingesteht.

Medizin ist sehr wohl dazu da, das Sterben grundsätzlich zu verhindern, oder warum geht man sonst zum Arzt? Der großartige Begriff „Palliativmedizin“ verrät sich selbst anhand seiner Unklarheit: Warum hat man kein verständlicheres Wort gewählt, wie z. B. „schmerzlindernd bei Sterbenden“? Was versucht man den Patienten und deren Angehörigen zu verschweigen bzw. zu „versüßen“?

Was heißt übrigens „Patientenwohl“ im Falle eines sterbenskranken Menschen? Wer entscheidet darüber? Es ist bezeichnend, dass Herr de Ridder die engsten Angehörigen eines sterbenden Menschen mit keinem Wort erwähnt, als ob sie nicht existierten. Die Realität sieht anders aus: Der Schwerstkranke kann oft kaum eigene Wünsche äußern, geschweige denn sich gegen die Entscheidungen des Arztes bzw. der Pfleger wehren, insofern ist er auf seine engsten Angehörigen angewiesen, die aber vom Arzt eher als Last behandelt werden. Und schließlich: Warum gibt es jedes Jahr in den deutschen Krankenhäusern 17 000 vermeidbare Todesfälle? Und warum soll das schlimm sein, wenn „Medizin nicht dazu da ist, das Sterben grundsätzlich zu verhindern“?

Panos Alevizakis, Berlin-Hermsdorf

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