Meinung : Bekenntnis zu Deutschland

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Es gibt eine politische Forderung, die in die Mitte der Gesellschaft gerückt ist: Wer dauerhaft in Deutschland leben will, muss Integrationsbereitschaft mitbringen. Dazu gehört das Bekenntnis zu den Grundwerten der demokratisch-pluralistischen Gesellschaft. Was natürlich weder das Festhalten an der eigenen Religion noch die Pflege von Brauchtum verbietet. Es verlangt aber den Willen, Deutsch zu lernen, und das Akzeptieren säkularer Grundwerte wie der Gleichberechtigung der Geschlechter. Vor kurzem wurde eine Studie über Moslems in der Bundesrepublik vorgestellt, die nachweist, wie überwiegend Deutschlands Türken diese Grundwerte akzeptieren. Nun hat die Ausländerbeauftragte Marieluise Beck den Befund mit aktuellen Zahlen unterfüttert. Es ist sehr heilsam, die seit Monaten tobende Debatte über das Zuwanderungsgesetz im Lichte der Zahlen von Beck zu betrachten. Die Einbürgerungen haben um 30 Prozent zugenommen: Das ist jenes Bekenntnis zum Dauer-Gastland, das gerade auch nach dem 11. September zu Recht eingefordert wird. Die Zahl der in Deutschland geborenen ausländischen Kinder hat sich nahezu halbiert. Für die Debatte über Schilys Gesetzespaket bedeutet all dies: Was wir als Ausländer-Problem debattieren, ist längst ein soziales Unterschichts-Phänomen geworden. Sprachlosigkeit, Schulabbruch, Ausbildungsmisserfolg, Ghetto und Isolation: Mehr und mehr jener Mitbürger, bei denen noch eklatante Integrations-Defizite vorliegen, sind Deutsche. Heute - und morgen in noch viel größerer Zahl.

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