BER, Hauptbahnhof und andere Pannen : Die Berliner sind müde geworden

Ob Hauptbahnhof- oder BER-Debakel – Berlin fügt sich ermattet in sein Schicksal. Offenbar ist der Berliner müde geworden. Es scheint ihm das Gefühl längst in die Gene eingeschrieben, dass die da oben ohnehin machen, was sie wollen.

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Klaus Wowereit wird für Pannen in Berlin verantwortlich gemacht.
Klaus Wowereit wird für Pannen in Berlin verantwortlich gemacht.Foto: dpa

Draußen in Berlin ist alles ruhig – der Fatalismus einer endlos genervten Metropole. Dabei ist in den letzten Jahren in der Region genug an katastrophalen politischen Fehlern zusammengekommen, um theoretisch jede noch so fest an den Sesseln haftende Regierung durch Bürgerproteste aus den Sesseln zu fegen. Doch es passiert: nichts.

Allein in der laufenden Woche haben wir zu bieten: Den Hauptbahnhof, der bald für viele Millionen saniert werden muss, weil der Gleisbau hoch oben wohl doch eher avantgardistisch als solide ausgefallen ist. Und wir haben die nun wohl nicht mehr länger zu verdrängende Erkenntnis, dass die brandenburgischen Behörden schon 2008 sehr genau wussten, wie es um den Schallschutz des Flughafens BER bestellt war – und sich einen Dreck drum scherten.

Das Berliner (und Brandenburger) Großproblem ist der Pfusch am Bau. Der reale – und der behördliche, der anscheinend immer dann eintritt, wenn die Regierenden etwas durchsetzen wollen und den Fachbeamten mehr Druck machen, als der Sache guttut. Die Mechanismen, die in diesem Kräftefeld wirken, sind bekannt, und sie wirken nicht nur in Berlin. Aber in Berlin ist es am schlimmsten, vermutlich, weil die Differenz zwischen Wollen und Können nirgendwo stärker ausgeprägt ist.

Doch wo steckt der Berliner? Nach gängigem Vorurteil ist er immer mit der großen Klappe vornweg, trägt Herz und Verstand auf der Zunge und macht nicht viele Worte, wenn er die Schnauze voll hat. Doch steigt nun der Druck im Kessel? Drängt der Wutbürger auch bei uns auf die Straße?

Wenig deutet darauf hin. Zwar sinken die Beliebtheitswerte des Regierenden Bürgermeisters in einem Tempo, das dem freien Fall nahekommt. Doch darin scheint sich der Protest zu erschöpfen. Dem postsozialistischen Konsens-Genie Matthias Platzeck passiert nicht einmal das, obwohl er doch zumindest für das Flughafen-Schlamassel nicht weniger Verantwortung trägt – er simuliert nur etwas besser als der pampige Kollege Wowereit den bußfertigen Sünder. Und die jeweilige Opposition schweigt sowieso, weil sie nicht weniger tief verstrickt ist in die zahllosen Entscheidungskatastrophen und Kontrolldesaster.

Der Berliner selbst hält es genauso, er ist müde geworden. Es scheint ihm das Gefühl längst in die Gene eingeschrieben, dass die da oben ohnehin machen, was sie wollen – das stammt aus der doppelten Ohnmacht der geteilten Stadt, die ihre Souveränität über Jahrzehnte von den Siegermächten nur geliehen hatte. Er fühlt sich verlassen, aber nicht nur von seinen eigenen Repräsentanten, sondern auch von den Bundespolitikern, die sich immer eilig vom Hof machen, wenn es brenzlig wird, und die von eigener Verantwortung nichts wissen wollen. Und dann sind da noch die selbstgerechten Bayern und Hessen, die der Stadt lieber heute als morgen den Geldhahn zudrehen wollen ...

Berlin 2013: Das ist der verzweifelte Sarkasmus, wie er in einer Wagenburg üblich ist, deren Verteidiger nicht mehr durchblicken. Aber die nächste Regierung sollte sich keine Illusionen machen. Ihr wird es nicht besser gehen, mit Wowereit oder ohne.

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