Meinung : Berliner S-Bahn: Zusammenbruch mit Ansagen

Berichterstattung zur S-Bahn

Dem Leitartikel „Freie Hand, freie Fahrt“ ist nur zuzustimmen. Natürlich muss der Senat ein Konzept für die weitere Entwicklung der S-Bahn entwickeln. Aber da kommt eine Kleinigkeit zu kurz: Eigentümer der Bahn ist die Bundesrepublik Deutschland. Und wenn die Konzernlenker nicht – oder falsch – handeln, ist nicht der Senat von Berlin zuständig, sondern die Bundesregierung. Von der hört man wenig, obwohl die Bahn doch nicht nur bei der S-Bahn, sondern in allen Bereichen einen fatalen Kurs bei Instandhaltung und Investitionen verfolgt. Was ich erwarten würde: eine klare Abkehr von der Politik des Börsengangs, den uns die Finanzkrise erspart hat, und klare Aussagen zu Investitionen für die nächsten Jahre, die die angerichteten Schäden ausgleichen. Stattdessen liest man von 500 Millionen Rendite, die der Bund erwartet. Wie sollen die „Konzernlenker“ dieses Signal anders verstehen als ein Kommando „weiter so“ – zulasten der Nutzer der Bahn im Allgemeinen und der S-Bahn im Besonderen. Die sind Leuten sicher egal, die nie S-Bahn fahren. Und diesen Leuten ist es sicher recht, wenn die Verantwortung von CDU und FDP an den rot-roten Senat abgeschoben werden kann. Damit ich nicht in den Verdacht der Parteilichkeit komme: ich würde auch von der SPD außerhalb Berlins erwarten, sich von dem neoliberalen Luftschloss des Börsengangs zu distanzieren – von den Grünen zu schweigen, die ihr Mäntelchen auch gerne im neoliberalen Wind flattern lassen. Dann wäre der Weg frei für ein Konzept für die Berliner S-Bahn.

Thomas Isensee,

Berlin-Charlottenburg

Sowohl der Sprecher der Geschäftsführung der S-Bahn als auch unser Regierender Bürgermeister sind augenscheinlich nicht in der Lage, nur annähernd zu begreifen, was der partielle Zusammenbruch dieses Nahverkehrssystems für die Bürger bedeutet. Da die Betriebssituation der S-Bahn täglich schlechter wird, muss man sich ernsthaft fragen, ob es nicht offensichtlich ist, dass beide Herren nur Worthülsen absondern, aber nicht im Traum daran denken, irgendetwas zur Verbesserung der Lage zu veranlassen. Die letzte Sitzung im Berliner Parlament in diesem Jahr war der endgültige politische Offenbarungseid. Die zuständige Senatorin hatte deutlich erklärt, dass es vonseiten des Berliner Senats keine Handhabe gäbe, die S-Bahn/respektive Deutsche Bahn zum kurzfristigen Handeln zu bewegen. Während der Sprecher der Berliner S-Bahn Falschaussagen über die Winterfestigkeit des Betriebs verbreitet hat, versucht der Regierende, die ärgerliche Situation auszusitzen. Irgendwann wird schon wieder ein Frühling kommen, die Berliner sind Mühen gewöhnt, und mit Fahrdiensten, Polizeieskorte und Flugbereitschaft ist man weit weg von den profanen Wegeproblemen der meckernden Leute. Alle Verantwortlichen schauen angesichts des fortschreitenden Ausplünderungsprozesses (225 Millionen Euro Gewinnabführung aus S-Bahn und DB-Netz) zur Seite und erst, wenn in schätzungsweise zwei Jahren die Deutsche Bahn den S-Bahn-Verkehr in Berlin gänzlich zum Erliegen gebracht hat und dem Senat einen Schrotthaufen vor die Füße werfen wird, werden erstaunte Politikerstimmen sich erheben: Nein, das konnten wir so nicht ahnen. Die DB-Leitung wird sich amüsieren.

Michael Zimmermann,

Berlin-Kreuzberg

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