Bestechliche Ärzte : Gesundheitswesen

Einige Krankenhäuser zahlen für Patienten Schmiergelder. Fangprämie heißt das im Fachjargon. Das ärztliche Ethos bleibt auf der Strecke.

Rainer Woratschka

Ganz schlimm sei das mit den Korruptionsvorwürfen gegen die niedergelassenen Mediziner, klagt der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Patienten würden dadurch total verunsichert. Das stimmt. Wer traut noch seinem Hausarzt, wenn er damit rechnen muss, dass dieser ihn für die schwere Operation nicht etwa in die beste Klinik schickt, sondern in die, die ihn dafür am besten bezahlt? Fangprämie heißt die kleine Saläraufbesserung im Ärztejargon, sie macht alle aufwändigen Qualitätsvergleiche zwischen Krankenhäusern überflüssig. Der Ärzte-Chef hat aber trotzdem etwas verwechselt. Das Schlimme ist nicht, dass die Schmiergeldpraxis öffentlich geworden ist, sondern die Erkenntnis, dass so viele mitgemacht haben. Bestechlichkeit im Gesundheitswesen scheint immer mehr zum Normalfall zu werden. Dass sich die Branche gut dafür eignet, hat das Bundeskriminalamt schon vor Jahren diagnostiziert. Ein Milliardenmarkt, auf dem sich der Bedarf nach Belieben steigern lässt, der aber – wegen des sensiblen Arzt-Patienten-Verhältnisses – kaum Kontrollen kennt. Ärztliches Ethos? Vielleicht sollten sich damit die Funktionäre nach jahrelanger Honorardebatte mal wieder etwas intensiver befassen.raw

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