Bill Clinton : "Es geht um die Zukunft Amerikas"

Bill Clinton ist zu einem der wertvollsten Wahlkämpfer und wichtigsten Verteidiger der Obama-Präsidentschaft geworden. Dabei müsste der ehemalige US-Präsident sich das nicht antun. Warum er es trotzdem macht.

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Bill Clinton
Bill ClintonFoto: AFP

Er hätte Gründe genug, passiv zuzusehen, wie das Unheil seinen Lauf nimmt. Warum soll Bill Clinton Barack Obama helfen? Der hat doch seiner Frau Hillary den Weg ins Weiße Haus verbaut. Persönlich gewinnen kann er wenig, wenn er sich im Wahlkampf verausgabt. Der Stress schadet seinem angeschlagenen Herzen. Die Reisen nehmen dem 64-Jährigen zudem die Zeit, in der er sonst Millionen für seine Stiftung eingeworben hätte, die sich unter anderem dem Kampf gegen Aids widmet.

Und doch ist Bill Clinton in den jüngsten Wochen zu einem der wertvollsten Wahlkämpfer und wichtigsten Verteidiger der Obama-Präsidentschaft geworden, urteilt die „New York Times“ – gerade weil er anders ist als Obama und in den Regionen punkten kann, in denen der amtierende Präsident eher eine Belastung für demokratische Kandidaten darstellt.

Am Dienstag half er in Nevada dem Fraktionsführer im Senat, Harry Reid, der sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Tea- Party-Kandidatin Sharron Angle liefert. Nevada hat die höchste Arbeitslosenquote aller Staaten im Westen: 14,4 Prozent. Bill Clinton beweist sein Talent zur Seelenmassage. Die Bürger haben jedes Recht, zornig auf die Regierung zu sein, konzediert er mit seiner typischen heiseren Stimme. Aber wäre es nicht „unglaublich unverantwortlich, nur aus Wut stattdessen diese Frau zu wählen? Es geht um die Jobs, die ihr so dringend braucht, es geht um eure Zukunft.“

Einige Tage zuvor trat er in Kentucky auf, um den Demokraten Jack Conway gegen den Tea-Party- Kandidaten Rand Paul zu unterstützen. Viele Bürger dort haben eine uneingestandene Distanz zum ersten schwarzen Präsidenten. Clinton ist selbst Südstaatler aus dem benachbarten Arkansas. In seinen beiden Präsidentschaftswahlen 1992 und 1996 hat er den konservativen Staat für die Demokraten gewonnen. „Warum lieben die Menschen in Kentucky Bill Clinton?“, ruft Conway. „Weil wir wissen, dass er uns liebt“, schallt es aus dem Publikum zurück.

Rand Paul wehrt sich, indem er alte Vorbehalte weckt: Einem Mann, der Praktikantinnen verführt, dürfe man nicht trauen, spielt er auf die Lewinsky-Affäre an. Doch viele Amerikaner haben Clinton vergeben. In einer neuen Umfrage des „Wall Street Journal“ hatte er die höchsten Sympathiewerte aller lebenden US-Politiker. Wenn sich die Niederlage bei der Kongresswahl in Grenzen hält, hat Obama das auch Clinton zu verdanken.

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