Brüssel : Wer ist Manneken Pis?

In Brüssel steht Manneken Pis. Weil er angeblich mal Brüssel vor einer Feuersbrunst gerettet hat. Auf archaische Weise. Nun glaubt eine Studentin nicht, dass in Brüssel das Original lagert. Unser Kolumnist Helmut Schümann hat auch seine Zweifel.

Helmut Schümann
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

In diesen heißen Tagen kann es leicht mal zu einem Brand kommen. Das ist gewiss nicht schön. Aber mit unserer tüchtigen Feuerwehr ist den Bränden meistens beizukommen. Die wackeren Brandbekämpfer bedienen sich dabei zum Beispiel eines Schlauches mit Storz-Druckkupplungen der Größe C, einem Innendurchmesser von 42 mm und einer Länge von 15 m. Maße, die bei einer anderen beliebten Art, ein Feuer zu löschen, kaum erreicht werden. Ein kleiner Junge hat diese Art erfunden, oder zumindest verbreitet, als er bei der Belagerung Brüssels einen Brand, mit dem die heutige belgische Hauptstadt abgefackelt werden sollte, mir nichts, dir nichts, aber erfolgreich auspieselte. Seitdem steht Manneken Pis im Zentrum Brüssels und uriniert.
Die Art der Brandbekämpfung hat sich gehalten und gehört am Lagerfeuer zum festen Bestandteil der Jungmännerrituale. Das riecht zwar ein wenig streng und entwickelt mächtigen Dampf, hat es aber sogar in den preisgekrönten Film „Boyhood“ geschafft: das ultimative Vater-Sohn-Ding. Es ist also nur zu verständlich, dass der Pionier dieser Methode als Bronzestatue zum Wahrzeichen wurde. Allerdings ist er nur 60 Zentimeter groß. Das macht ihn anfällig für Diebstahl. In der Tat wurde das Original, das Hieronimus Duquesnoy 1619 bildhauerte, schon mehrfach beschädigt und gestohlen. Damit Manneken weiterhin Brüssel vor Feuersbrünsten schützen kann, existieren mehrere Kopien. Das Original steht nicht mehr auf dem Markt, das lagert im Stadtmuseum.
Aus Brüssel kommen in der Regel nur schlechte Nachrichten. Folgerichtig geht es dem kleinen Mann jetzt an den Kragen, wenn nicht auch noch woandershin. Géraldine Patigny, eine Studentin der Freien Universität von Brüssel, bezweifelt, dass Manneken Pis Manneken Pis ist. Sie will mithilfe von Röntgenstrahlen und anderen Techniken untersuchen, ob das Original tatsächlich aus dem 17. Jahrhundert stammt oder nicht doch sehr viel jünger ist und auch eine Fälschung. Warum sie das will? Darum. Auf jeden Fall will sie ins Innere der Statue schauen und dessen chemische Zusammensetzung erforschen. Das aber könnte sie leichter haben. Das steht schon im Buch der früheren Radiomoderatorin Carmen Thomas – ein ganz besonderer Saft: Urin.

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