Meinung : BSE: Mit Hirn essen, nicht Hirn essen

In der Ruhe liegt die Kraft, möchte man in diesen aufgeregten Zeiten Politikern, Funktionären, Metzgern, Bauern und Verbrauchern zurufen. Erst nachdenken, dann handeln - denn Aktionismus führt zu nichts. Er täuscht nur etwas vor: Sicherheit.

Der Reihe nach. Zunächst zur Fleischhygiene. Verständlicherweise fragt sich jetzt jeder Verbraucher, jeder Esser, was noch auf den Teller kommen darf. Es gibt so viele Empfehlungen, so viele Warnungen, ständig neue. Nun also geht es um die Wurst.

Um das größtmögliche Maß an Sicherheit zu schaffen, muss die Politik den Rahmen dafür setzen. Das heißt logischerweise, sie muss Vorgaben machen. Aber soll deswegen alle Wurst per Verordnung aus den Regalen verbannt werden? Nein, weil das grundsätzlich keine staatliche Angelegenheit ist, sondern eine persönliche. Außerdem werden Verbote zu leicht, im Umkehrschluss, auch als Gebote verstanden: Was nicht verboten ist, ist gesund. Stattdessen muss es möglichst genaue Informationen geben, damit jeder Einzelne eine klare Grundlage für seine Entscheidung hat.

Dass, zum Beispiel, billige Produkte in aller Regel mit geringeren Ansprüchen an die Qualität hergestellt werden, davon darf man ausgehen. Nun sind aber gerade in Musterbetrieben die ersten BSE-Fälle in Deutschland nachgewiesen worden. Auch der Vorzeigehof bietet also noch keine Garantie. Dies wiederum heißt: Alles muss gekennzeichnet werden, und zwar mit allen Bestandteilen. Der Inhalt darf sich nicht hinter Sammelbegriffen oder Nummern-Codes verbergen. Das heißt auch, den Inhalt des Kraftfutters für Tiere zu deklarieren. Und es heißt, die Zutaten der Waren aufzulisten, die an den so genannten Frischtheken verkauft werden - damit der, der Putenwurst möchte, auch nur Putenwurst bekommt. Die jüngsten Erfahrungen haben Misstrauen gelehrt. Zum Trost: Einige Metzger haben immerhin mit dieser Kennzeichnung begonnen.

Es gibt ja Vorschriften, was nicht ins Futter der Tiere und ins Essen der Menschen gehört. Daran haben sich offenkundig nicht alle gehalten. Die Vorschriften können vermutlich noch verschärft werden. Da die Wissenschaft Innereien und Hirn als besonders kritisch einstuft, gehören sie nicht in den Kochtopf. Doch das bedeutet: Verwendungsverbot - nicht Verzehrverbot. Die Sorgfalt der Produzenten und Anbieter muss im Vordergrund stehen, nicht die Bevormundung des Verbrauchers.

Kommen wir zur politischen Hygiene. Als Erstes zum Bundeskanzler. Der sagt, alle haben nicht aufgepasst, alle hätten wissen können, dass das auf Dauer nicht gut gehen könne. Wenn das so klar war, hätte da nicht jeder Bürger erwartet, dass der Kanzler und seine Minister BSE längst entschlossen zu Leibe gerückt wären? Stattdessen wurde uns Verbrauchern weisgemacht, die Prionen hätten an deutschen Grenzen Halt gemacht. Das war: falsch. Oder Gesundheitsministerin Andrea Fischer. Sie sagt, dass sie gegen ein Verbot ist, selbst aber keine Wurst mehr isst - das ist eine Botschaft, die jeder verstehen kann. Aber weder sich noch der Regierung noch uns tut sie einen Gefallen, wenn sie behauptet, in deutscher Wurst gebe es seit Jahr und Tag überhaupt kein Rinderhirn. Das ist: falsch.

Reinwaschungen führen nicht zum Ziel, Vorverurteilungen auch nicht, Aufgeregtheit, die sich in Gestalt aktionistischer Politiker zur Hysterie steigert, erst recht nicht. Hygiene heißt also: Beim Fleisch genau aufpassen, und dann Worte und Taten der Politiker genau überprüfen. Wir haben die Wahl.

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