Meinung : Bürger und Muslime

M.G.

Euro-Islam. Ein Wort macht Karriere. Vor fünf Jahren erfunden, gehört es inzwischen zum Standard-Vokabular, wenn es gilt, den religiösen Wandel von Muslimen in Europa zu bezeichnen. Denn entgegen landläufiger Meinung ist der Islam keineswegs ein monolithisches Gebilde und muss auch nicht zwangsläufig doktrinär und hinterweltlerisch sein. Die in knapp 60 Lehrvarianten differenzierte Weltreligion trägt eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit und Kreativität in sich, die ihren Gläubigen auch das Leben in hochmodernen Gesellschaften erlaubt. Natürlich gibt es auch Abwegiges, Abkapselung und Fanatismus. Doch der große Trend - das belegt jetzt erstmals die repräsentative Studie des Zentrums für Türkeistudien - geht in eine andere Richtung. Muslime in Deutschland verstehen sich als aufgeklärte Bürger, akzeptieren Pluralität und Demokratie und schätzen den säkularen Rechtsstaat. Ihr Leben in den europäischen Gastländern erleben die meisten als Bereicherung, nicht als Bedrohung ihrer Identität. Wie anders ist es zu erklären, dass seit den 90er Jahren der Wunsch türkischer Mitbürger, in ihre Heimat zurückzukehren, rapide abnimmt. Sie haben als Muslime ihren neuen Platz gefunden - in Europa.

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