Bürgerkrieg im Jemen : Ein Konflikt mit weltpolitischer Dimension

Die Eskalation des Bürgerkrieges im Jemen und die Einmischung der arabischen Nachbarn schürzen sich zu einem Konflikt, in dem es auch um die Interessen des Iran, der USA und Europas geht. Das ist hochbrisant. Ein Kommentar.

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Die Saudis besprechen ihre Interventionspläne im Jemen.
Die Saudis besprechen ihre Interventionspläne im Jemen.Foto: dpa

In den Katalogen der Reiseveranstalter für die gebildeten Stände hatte der Jemen lange Zeit einen festen Platz eingenommen: Die Region an der Südspitze der arabischen Halbinsel galt als Geheimtipp für die Freunde exotischer Ausflüge in eine islamische und archaische Kultur, die einzigartige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat: bunte Farben, ganze Stadtviertel aus Lehmhochhäusern und Quat-rauchende Männer mit Krummdolchen im Gürtel.

Ein Touristenziel ist der Jemen schon lange nicht mehr – zu hoch ist seit Jahren das Risiko, einer Entführung oder einem Bombenanschlag zum Opfer zu fallen. Doch leider werden sich künftig auch solche Menschen für die Vorgänge in dem Land interessieren müssen, die noch nie von der Weihrauchstraße oder der Königin von Saba gehört haben.

Die Eskalation des Bürgerkrieges und die Einmischung der arabischen Nachbarn schürzen sich zu einem Konflikt, in dem es auch um die Interessen des Iran, der USA und Europas geht. Und womöglich auch um den Erfolg von Nicht-Verbreitungsverhandlungen, die weltweit von Bedeutung sind. Gemeint ist der Vertrag zur Kontrolle des iranischen Atomprogramms, der kurz vor dem Abschluss steht.

Der Iran hat heftig dagegen protestiert, dass Saudi-Arabien sich gemeinsam mit Verbündeten in den Bürgerkrieg einmischt. 150 000 Soldaten hat das sunnitische Königshaus mobilisiert und Kampfjets geschickt, um den Vormarsch der schiitischen Huthi-Rebellen zu stoppen. Doch die sind eng verbündet mit dem ebenfalls schiitischen Regime in Teheran.

Der gemeinsame Gegner hat die Erzfeinde nicht zusammengeführt

Von einem wichtigen Ziel scheint sich die deutsche Außenpolitik nun verabschieden zu müssen: Im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) wollte sie den Aufbau einer politischen Allianz voranbringen, die Saudi-Arabien und Iran umfasst. Der gemeinsame Gegner hat die Erzfeinde aber nicht zusammengeführt. Der Gegensatz zwischen Schia und Sunna erweist sich als stärker als vorübergehend geteilte Interessen.

Das saudische Königshaus fühlt sich herausgefordert durch den militärischen Erfolg der Huthi-Volksgruppe an seiner Grenze, es fürchtet einen Stellvertreterkampf im iranischen Auftrag. Es droht ein unkontrollierbarer Krieg mit der Beteiligung rivalisierender Terrortruppen nach syrischem Vorbild – in einem Land, das an den Golf von Aden und an eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt grenzt.

Dass Riads Eingreifen Stabilität zurückbringt, ist unwahrscheinlich: Der Jemen als Staat ist gescheitert. Die Möglichkeiten des Westens in dem Konflikt sind auch eng begrenzt. Aus geopolitischen Erwägungen in einem religiös grundierten Konflikt Partei zu ergreifen, scheint keine gute Strategie.

Die USA unterstützen nun die Angriffe Saudi-Arabiens, was wiederum Teheran empört. Vor wenigen Tagen hatte Barack Obama gemahnt, die Atomverhandlungen seien eine „historische Gelegenheit“. Es gibt Kräfte in Teheran, die eine Annäherung an den Westen fürchten. Eine militärische Beteiligung der USA am Kampf gegen die Huthi könnte ihnen den Vorwand liefern, die Atomverhandlungen noch zu sabotieren. Dann wäre nicht nur der Jemen gescheitert, sondern auch ein großes Projekt zur Rüstungskontrolle.

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