Bundestagswahl : Zu Risiken und Nebenwirkungen

Sicherheit, Stabilität, Konstanz – das dürften, im krisendurchwobenen Bundestagswahljahr 2009, die drei Grundbedürfnisse vieler Deutscher sein. Keine Experimente. Die große Koalition, oft geschmäht und nie geliebt, wirkt auf sehr desillusionierende Weise als kleinstes Übel.

Malte Lehming

Die Stimmung begünstigt die beiden Volksparteien. Das aber führt in ein Dilemma. Denn je stärker die Volksparteien, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht zu einer großen Koalition kommt, sondern zu Schwarz-Gelb oder der Ampel. Jede andere Koalition darf als ausgeschlossen gelten.

Um die vertrackte Lage etwas anschaulicher zu machen: Wer die Union stark macht, riskiert als womöglich unbeabsichtigten Nebeneffekt, dass jenes Bündnis an die Macht kommt, das vom Wähler schon 2005 – lange vor der großen Weltkrise – abgelehnt worden war. Angela Merkel im Team mit Frank-Walter Steinmeier ist eben eine kategorisch andere Kanzlerin als es jene wäre, die von Guido Westerwelle getrieben würde. Eine Rückkehr der marktliberalen Ideologie, ausgerechnet in dieser Zeit, wünscht sich gewiss nur eine Minderheit der Deutschen. Wer hingegen für die SPD stimmt, um in der großen Koalition ein sozialstaatsbewusstes Gegengewicht zur Union zu behalten, riskiert eine höchst instabile Ampelkoalition ohne Bundesratsmehrheit, also weder Sicherheit noch Stabilität noch Konstanz.

Was daraus folgt? Die Volksparteien müssen, mehr denn je, einen Als-ob-Wahlkampf führen: Wählt uns, als ob wir alleine regieren könnten oder zur Not in einer großen Koalition, und denkt bitte über andere Konstellationen möglichst wenig nach. Der Nachteil am Nachdenken indes ist, dass es sich nicht so einfach abstellen lässt, wie es erforderlich wäre. Letztlich muss der Wähler wohl am 27. September das Räsonieren über Kollateralschäden seiner Entscheidung suspendieren. Eine solch vorübergehende freiwillige Selbstentmündigung ist vielleicht vernünftiger, als sich fortgesetzt über Szenarien verrückt zu machen, deren Eintreten man doch nicht verhindern kann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben