Meinung : CDU-Führung: Bloß kein Crescendo

Stephan-Andreas Casdorff

Sie sollen sich mal nichts vormachen, die Mitglieder der Führungsmannschaft von CDU und CSU: In der Union wird weiter heftig übereinander debattiert, besonders an dem Ort, wo sie sich ständig treffen, in der gemeinsamen Bundestagsfraktion. Jede Sitzung ist ja wie in kleiner Parteitag, nur ohne Abstimmung.

Auch die CSU hat ihre Probleme, keine Frage. BSE und das folgende Krisenmanagement - das den Namen kaum verdiente - haben auch den Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Edmund Stoiber nicht eben strahlend wirken lassen. Aber vorrangig im öffentlichen Bewusstsein wie in der Binnen-Wahrnehmung bleiben die Zustände bei den Christdemokraten.

Angela Merkel und Friedrich Merz, diese beiden Jüngeren an der Spitze, brauchen wohl noch einige Zeit, um zusammenzufinden. Und sich in ihre Ämtern hineinzufinden. Dass sich daraus eine schlechte Stimmung entwickeln würde, war absehbar. Und in solcher Stimmung wächst schnell der Wunsch nach klareren Verhältnissen.

Es stimmt, dass es in der Fraktion inzwischen eine ausgeprägte Sehnsucht nach Führung gibt, nach Autorität. Daher rühren die Berichte, wonach sich sogar manche - nicht nur in der CSU - Wolfgang Schäuble als Chef zurückwünschen. Schäuble, der von denselben Kritikern vor seinem Sturz als viel zu autoritär bezeichnet worden war. Jetzt aber vermisst man seine inhaltliche Stärke. Deshalb verbreitet sich das Gefühl, dass niemand die Lücke füllt, nicht in der Partei, nicht in der Fraktion. Deshalb auch wird natürlich genauer als sonst je verzeichnet, wer die Angriffe des SPD-Generalsekretärs Franz Müntefering auf das Selbstverständnis der Union als "Volkspartei der Mitte" gekontert hat: Schäuble.

Aber das war nach Absprache mit Merz. Und die Diskussion wird nicht zu Schäubles Rückkehr führen. Zumal er auch gar nicht zurückkehren will, selbst dann nicht, wenn die Affäre um den Waffenhändler Karlheinz Schreiber für ihn glimpflich enden sollte. Dass überhaupt laut über Schäuble und seinen Stellenwert nachgedacht wird, zeigt nur das Ausmaß des Erschreckens darüber, dass es bei Schäubles Nachfolgern halt immer wieder Abgrenzungsprobleme statt Teamarbeit gibt, Kompetenzgerangel statt Kompetenznachweis.

Daher kommen auch die Berichte über Roland Koch. Der außerhalb der CDU umstrittene Ministerpräsident wird parteiintern mit jedem Tag stärker, den er sich in Hessen trotz allen Drucks im Amt hält. Koch, den Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble übereinstimmend als politisches Talent schätzten. Koch, der Mann, der keine Selbstzweifel zu kennen scheint. Ja, ist der nicht das richtige Gegenbild zu Merkel und Merz, an denen die Zweifel wachsen? Zweifel, die sich zur Verzweiflung steigern? Bis die Partei dann entgegen aller Polit-Logik handelt? Kurz: die CDU vor ihrem Mannheim?

Bloß kein Crescendo! Noch ist sie weit, weit davor. Kommt Zeit, kommt Karneval. Dann sehen wir weiter. Erst im März wird wieder abgestimmt: im CDU-geführten Baden-Württemberg. Und die Umfragen sind nicht so schlecht.

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