Meinung : Chancen zum sozialen Aufstieg fehlen

„Mitte ohne Maß / Besitzstandswahrung statt Solidarität: Wie ein zunehmend aggressives Bürgertum sich vom Sozialstaat abwendet“ von Nadine Lange

vom 21. Dezember

Den Besitzstand zu wahren und zu mehren, ist das Interesse aller Bürger, unabhängig davon, wie viel der Einzelne besitzt. Der Mitte der Gesellschaft daraus einen Vorwurf zu machen ist unredlich.

Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist Realität und hat wirtschaftliche und politische Ursachen. Der Sozialstaat muss sich mit den unterschiedlichen Entwicklungsströmungen des Kapitalismus im 21. Jahrhundert und deren differenzierten staatlichen Modellen auseinandersetzen. Es geht also nicht um einen internen Kampf, wie man gerne immer behauptet, sondern um die Stärkung der aus der Historie des Kampfes der Gesellschaftssysteme der letzten 150 Jahre sich herausgebildeten kontinentaleuropäischen Variante der kapitalistichen Gesellschaft in einem globalen Wettbewerb.

In dieser Situation ist es wenig förderlich, wenn wir Oben, Mitte und Unten der Gesellschaft gegeneinander ausspielen. Es kommt darauf an, Voraussetzungen für die freie Entfaltung des Einzelnen durch breite Bildungsoffensiven und langfristig tragende Arbeitsangebote für die nachwachsende Generation zu schaffen, damit alle eine reale Chance zum sozialen Aufstieg haben. Dann wird die Identifizierung mit unserer sozialen Ordnung auch wieder zunehmen, die Solidarität untereinander egoistische Verhaltensweisen zurückdrängen und die Bürger sich gestaltend einbringen.

Wir brauchen kein Bürgertum mit altem Glanz und einem sozialen Engagement als Feigenblatt für den Besitzstand, sondern gestaltende Bürger, die die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts annehmen und in einem solidarischen Verhalten die Chance für die Entwicklung unserer Lebensverhältnisse sehen.

Unsere Gesellschaft muss wieder für den sozialen Aufstieg durchlässiger und Verkrustungen der sozialen Schichten müssen aufgebrochen werden, denn nur gesellschaftliche Teilhabe und Wertschätzung erzeugen Engagement und Identifikation.

Klaus-Dieter Busche, Berlin-Fennpfuhl

Ich unterstelle, dass die Autorin des Artikels selbst keine Kinder hat. Sonst könnte sie nicht so diffamierend gegen Eltern zu Felde ziehen, die sich die Schule ihrer Wahl suchen möchten.

Wir haben zwei Kinder, beide waren in Privatschulen und haben alte Sprachen gelernt, beide können Instrumente spielen, erlernt in staatlichen Musikschulen und beide sind glücklich mit ihrer Schulzeit gewesen. Das ist ein hohes Gut für Eltern! Daraus aber zu schließen, dass man sich nicht für das Gemeinwohl einsetzt, ist ein Witz! Gerade erst aus einem tiefen bürgerlichem und demokratischen Verständnis und einem Grad an Bildung kann man sich überhaupt erst engagieren.

Wir Eltern haben für die Ausbildung der Kinder viel Geld ausgegeben und dafür auf eine Menge verzichtet. Uns ist die Bildung und auch Herzensbildung unserer Kinder wichtig und wir denken dabei nicht an lächerliche Besitzstandswahrung, allenfalls Wissensbewahrung! Denn wer profitiert von diesen Kindern später?

Ich selbst bin mehrere Jahre, neben meiner beruflichen Tätigkeit, in Kreuzberger und Weddinger Schulen gewesen, um mit Kindern zu arbeiten, die weniger Glück haben. Es ist wirklich eine verletzende Unterstellung, dem Bürgertum jegliches Engagement, das nicht nur sich selbst dient, abzusprechen. Schon jetzt gibt es in Berlin über 2000 Lesepaten, unzählige Stiftungen und Wohltätigkeitsvereine etc. Wo kommen die denn her, wenn nicht aus der bürgerlichen Mitte?

Sicher gibt es auch die beschriebene Spezies, die man allerdings früher als Neureiche oder Emporkömmlinge bezeichnet hat und die mit dem Begriff Hedonisten vielleicht gut zu fassen sind, jedoch nicht mit dem Begriff des Bürgertums oder gar des Bildungsbürgers.

Statt diejenigen zu verunglimpfen, die sich mit den Verhältnissen nicht abfinden möchten und den Glauben an eine positive Veränderung vielleicht noch nicht ganz verloren haben, sollten Sie weniger Vorurteile pflegen und etwas mehr zur Wahrheitsfindung beitragen, was nicht zuletzt die Aufgabe einer guten Zeitung ist.

Bettina Müller, Berlin-Charlottenburg

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