Meinung : „Damit Serbien …

Caroline Fetscher

… wieder ein Teil der Welt wird.“

Darum, so das Credo des Demokraten Boris Tadic, wollte er Präsident Serbiens werden. Der am Sonntag Gewählte soll nun die Türen zu Europa öffnen, eine verrottete Wirtschaft sanieren, und helfen, die Vergangenheit abzuschütteln. Tadic steht vor einem Augiasstall. Er allein kann und wird nicht der Herakles sein. Doch mit Tadics Wahl hat die Bevölkerung ein klares Signal auch an die Regierung gesendet: Für Reformen, für freie Marktwirtschaft, gegen Nationalismus. 

Boris Tadic, geboren im Januar 1958 in Sarajevo, stammt aus einer Intellektuellenfamilie, in der Courage und eigenes Denken zählte. Seinem Vater entzogen Titos Funktionäre den Lehrstuhl für Philosophie in Belgrad. Als Student der Psychologie und Philosophie geriet auch der junge Tadic wegen politischer Aktivitäten ins Visier der Behörden. 1990 trat er der Demokratischen Partei bei, deren Vorsitz er im Februar diesen Jahres übernahm. In den Kriegsjahren überwinterte Tadic als Dozent für Psychologie, zeitweise als Journalist. Nach Milosevics Sturz Ende 2000 wurde Tadic Minister für Telekommunikation in der Regierung des demokratischen Bündnisses DOS, von März 2003 bis April 2004 war er Verteidigungsminister. Bei der Truppe machte sich der als sensibel und pragmatisch geltende Politiker beliebt, etwa, indem er sofort für bessere Verpflegung sorgte. Nebensachen, die beweisen, dass einer mitempfindet und Stratege ist.

Tadics Opponent Tomislav Nikolic angelte im Wahlkampf mit Großserbien-Slogans nach  verunsicherten Wählern. Tadic selbst stilisierte sich bis ins Äußerliche hinein als Nachfolger des 2003 ermordeten Zoran Djindjic. Er trat gern mit Vertretern von Minderheiten, Ungarn etwa, auf die Wahlkampfbühne und erklärte, mit der antiwestlichen Haltung des Landes müsse Schluss sein. Am Sonntag dann sagte er: „Dies ist ein Sieg für dich, Zoran, und für dein Leben.“ Vom Charme und Charisma des Mannes sprechen seine Anhänger. Mit dem Haager Tribunal, sagt er, „müssen wir kooperieren“.

Während in Belgrad jubiliert und in Brüssel applaudiert wird, fürchten die Albaner im Kosovo nun, dass „der Westen“ sie vergessen wird. Hat Tadic den Mut, die UN-verwaltete Provinz in die Unabhängigkeit zu entlassen? Da kann man nur warten und hoffen. Schließlich muss der Präsident mit dem nationalistischen Premierminister Vojislav Kostunica zusammenarbeiten. Einen Psychologen jedenfalls kann das traumatisierte Serbien gut gebrauchen.

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