Meinung : Danach will’s keiner gewesen sein

„Mehr Stein als Sein“ vom 9. Dezember

Vielen Dank für diesen Bericht, zeigt er doch, wie heutzutage unsere Wettbewerbsjuroren unsere Stadt kaputt machen, wie es auch das Beispiel am Lehniner Platz zeigt.

Vor Jahren wurde die Fläche südlich des Bahnhofs Friedrichstraße, Dorothea-Schlegel-Platz, durch einen Wettbewerb „verschönert“: Es wurde alles gepflastert, alles Stein, bis auf einen kleinen, vielleicht etwas fragwürdigen Brunnen, aber mit Stolz wurde darauf hingewiesen, dass diese Steinart dort schon früher verlegt worden war.

Am Potsdamer Platz haben die Juroren dann doch Grün prämiert: Aber diese unsäglichen, schrägen kubischen Formen haben sie uns zugemutet – kein Platz, um Muße im Großstadtgetümmel zu finden, keine Aufenthaltsqualität; nichts Liebenswürdiges entsteht mehr im öffentlichen Raum dieser Stadt.

Wenn in den 1990ern Herr von Krosigk nicht die Grünflächen nach historischem Vorbild am Pariser Platz in eigener Regie durchgesetzt hätte, wäre heute vermutlich auch alles gepflastert – ich bin ihm sehr dankbar dafür.

Rainer Michael Klotz, Berlin-Lankwitz

Wie sehr haben Sie, Peter von Becker, mir aus der Seele gesprochen.

Wer darf da die Steuergelder so verbraten für eine Steinwüste? Eine Frechheit! Wer entscheidet da so einfach über die Entwürfe?

Vergangenen Sommer wurde der Lehniner Platz umgestaltet. Danach habe ich die Umbenennung in STEINPLATZ angeregt. Aus dem ehemaligen Parkplatz ist eine Steinwüste entstanden ohne eine Pflanze (lediglich ein paar Bäumchen), nur ein flacher rechteckiger „Brunnen“ punktet durch zusätzliche Hässlichkeit. Kein Schatten für die Bänke – nichts. Einfallslos und menschenverachtend. Das Wall-Pinkelhäuschen wurde nicht wieder aufgestellt. Auch der groß angekündigte Zeitungskiosk /Café-Pavillon wurde nicht verwirklicht – stattdessen steht am Straßenrand seit Monaten ein provisorischer Verkaufscontainer. Da war der Parkplatz vorher allemal charmanter! Die zuständigen Bezirksvertreter sollten sich schämen!

Dagmar Hahn, Berlin-Charlottenburg

Zwei Millionen Euro verschwendetes Steuergeld für 500 Meter architektonischen Sondermüll zeugen letztendlich von Planlosigkeit, Handlungsunfähigkeit, Unvermögen und vor allem von fortgeschrittener Ignoranz gegenüber den Berlinern und den Berlin-Besuchern, die von diesem historischen öffentlichen Raum mehr erwarten dürfen als das Herumwerkeln von ideenlosen, unkreativen Dilettanten, deren unbewältigtes Gestaltungsergebnis sich im Begradigen und Zubetonieren einer geschichtsträchtigen, nunmehr sichtbar geschichtslosen „Berliner Einkaufsmeile“ erschöpft hat – ohne jeglichen Sinn für räumliche und ästhetische Zusammenhänge. Bonjour Tristesse! Ein weiteres in Beton gegossenes Berliner Trauerspiel. Der Berg kreißte und gebar eine Maus, und wie gehabt wieder typisch für diese Stadt: Danach will’s keiner gewesen sein ...

Hank M. Leonhardt,

Berlin-Wilmersdorf

Man mag von der Gestaltung der Tauentzienstraße halten was man möchte, ich möchte dem Autor Peter von Becker jedoch in einer Hinsicht widersprechen: Der Autor geht davon aus, dass eine Gestaltung mit vielen Hecken und ohne bunte Sommerblumen ihm den Eindruck eines Friedhofes vermittelt.

Ich möchte ihn im Gegenzug fragen, wann er denn das letzte Mal bewusst auf einem Friedhof gewesen ist? Berliner Friedhöfe sind alles andere als einfarbige Heckenquartiere!

Schon vor 40 Jahren hat sich der Bund deutscher Friedhofsgärtner unter dem Stichwort „Der blühende Friedhof“ dafür eingesetzt, dass eben nicht riesengroße Rasenquartiere und dunkle Heckenfluchten entstehen, sondern dass viele Blumen vom Kreislauf des Lebens und Sterbens erzählen. Inzwischen gehören die deutschen Friedhofsgärtner zu den bedeutendsten Abnehmern der deutschen Beet- und Balkonpflanzenproduzenten und sichern viele Arbeitsplätze im Gartenbau. Friedhofsgärtner produzieren darüber hinaus selbst häufig blühende Pflanzen, die auf dem Friedhof verwendet werden.

Lutz Rademacher, Friedhofsgärtner, Berlin-Tempelhof

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