Darüber spricht ganz … : … Amerika

Christoph von Marschall über eine saudische Schule, die Hass lehrt

Christoph von Marschall

Offiziell ist Saudi-Arabien ein Verbündeter der USA. Doch eine von der saudischen Botschaft betriebene Schule nahe Washington lehrt Hass gegen Christen und Juden und ruft zu Gewalt gegen sie auf, weil das Allah gefällig sei. Diesen Vorwurf erhebt die vom US-Kongress eingesetzte Kommission für Internationale Religionsfreiheit. Das State Department solle die Schule schließen. Saudi-Arabien hatte sie 1984 in Fairfax, Virginia, für Kinder seiner Diplomaten gegründet. Tausend muslimische Kinder werden dort unterrichtet, ein Drittel davon Saudis.

Die Aufforderung zur Schließung erregt Aufsehen. In keinem anderen Land genießen religiöse Schulen mehr Freiheit als in den USA. Der Staat darf Lehrplan und Unterrichtsmaterial weder vorgeben noch kontrollieren. Sie haben absolute Freiheit, auch den größten Unsinn zu unterrichten – das gebiete die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Nur wenn dort ein Verbrechen geschieht, darf der Staat einschreiten.

Dieses Prinzip erschwert die Feststellung der Fakten. Die Religionskommission sagt, Saudi-Arabien habe ihr den Einblick in Lehrmaterialien verweigert. Deshalb habe sie Schulbücher analysiert, die in saudischen Schulen in Saudi-Arabien und anderen Ländern Verwendung finden. Sie zitiert daraus Sätze wie diesen: „Die Stunde (des jüngsten Gerichts) wird nicht kommen, ehe die Muslime die Juden angreifen und töten.“ In anderen Passagen werde gelehrt, das Gewalt gegen Juden, Christen und andere nichtmuslimische Religionen von Gott gewünscht sei.

Die Verteidigungslinie der saudischen Botschaft ist laut „Washington Post“ erstaunlich. Sie bestreite nicht, dass solche Aussagen zum Lehrinhalt saudischer Schulen daheim und in der Welt gehören. Aber sie behaupte, diese Prinzipien würden nicht in der Schule in den USA unterrichtet. Die entsprechenden Seiten würden aus den für Fairfax bestimmten Schulbüchern herausgerissen. Im Übrigen habe die Kommission nicht um Einblick in Lehrmaterial gebeten.

Nach Darstellung des State Department gibt es seit Jahren Beschwerden über muslimische und speziell saudische Schulen, weil die nach westlichem Verständnis zu Hass, Gewalt und Intoleranz aufrufen. Die saudische Regierung habe Besserung versprochen, doch bisher sei wenig geschehen. Es ist umstritten, ob Bushs Regierung die Schule schließen darf. Wenn ja, dann nur, weil sie von der Botschaft, einer weltlichen Institution, betrieben wird. Schulen religiöser Träger sind nach US-Rechtsauffassung für den Staat tabu.

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