Darüber spricht ganz … : … Kenia

Dagmar Dehmer über Deutsche, die Aufsehen in Ostafrika erregen.

Dagmar Dehmer

In Kenia ist Wahlkampf. Im Dezember wird ein neues Parlament und ein Präsident gewählt. Vor einem knappen Monat ist auch ein Berliner Swing-Musiker in den kenianischen Wahlkampf eingestiegen. Andrej Hermlin, der Sohn des ostdeutschen Schriftstellers Stephan Hermlin, warb in Kapsabet im Westen des Landes für den Präsidentschaftskandidaten Raila Odinga – und löste damit einen ziemlichen Aufruhr aus. „Der Aufruhr war nicht geplant“, sagte Hermlin dem Tagesspiegel. Und auch nicht, dass die Veranstalter der Wahlveranstaltung danach erst mal in den Untergrund gehen mussten, weil sie von der Polizei gesucht wurden. Odinga hat in den 60er-Jahren in der DDR studiert. Aus dieser Zeit kennt ihn Hermlin. Ob Odinga der Auftritt des Deutschen, der seit zehn Jahren mit einer Kenianerin verheiratet ist, genutzt hat, darf bezweifelt werden. Inzwischen ist Odinga als einer von zwei relevanten Gegenkandidaten für den Präsidenten Mwai Kibaki nominiert worden. Allerdings hat sich über dieser Personalfrage die Opposition gespalten. Die Unterstützung aus Deutschland halten viele Kenianer für dubios.

Wie sehr Hermlins Auftritt die Kenianer beschäftigt hat, zeigt eine Aktion der Tageszeitung „Daily Nation“. Sie lud den deutschen Botschafter in Nairobi, Walter Lindner, ein, Fragen von Lesern zu beantworten. Und dabei zeigte sich, dass die Kenianer sich nicht nur über Andrej Hermlin wundern, sondern auch über Walter Lindner. „Lange Haare und Keyboard-Spielen mit dem Musiker Eric Wainaina ist nicht das, was die Leute von ,Ihrer Excellenz’ erwarten“, schrieb eine Leserin. Tatsächlich dürfte es auch keinen weiteren Botschafter geben, der inkognito in den Slums spazieren geht. Lindner hat sich kurz nach seiner Ankunft den größten Slum Ostafrikas, Kibera, angeschaut. Nun schrieb er, dass er vor kurzem auch einen Fünf-Stunden-Ausflug in die verrufensten Stadtteile unternommen hat – von der River-Road, von der sich die Einheimischen erzählen, dort werde jeder ausgeraubt, bis nach Mathare, dem Slum, in dem jüngst dutzende Menschen von der Mungiki-Sekte massakriert worden waren. Lindner, der vorher Pressesprecher von Außenminister Fischer war, bezeichnete seine Wanderung als „Augenöffner“. Übrigens konnte er die Kenianer beruhigen, Deutschland habe nicht vor, einen der Kandidaten zu unterstützen, auch nicht Raila Odinga. Aber eines wollte er ihnen doch noch ans Herz legen: Bei einem Frauenanteil von 51 Prozent an der Bevölkerung seien 18 von insgesamt 210 weiblichen Abgeordneten „selbst im regionalen Kontext ein Rekord-Tief“.

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