Meinung : Das Paradies gibt kein Asyl Australien: Ein Kontinent voller Fremder hat Angst vor Fremden

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Von Stephan-Andreas Casdorff

Australien – ein Land der Verheißung, der guten Laune, ewigen Sonne, und: Multikulti ist natürlich kein Problem. So hätte es Premier John Howard gerne. So sieht auch das Hochglanzbild aus, in das sich Millionen Touristen vergucken können, darunter der eine oder andere Polit-Tourist. Erinnern wir uns nicht alle an die Olympischen Spiele 2000, wo sich das Land als Muster der Integration präsentierte? Durften sich nicht alle stolz zeigen, auch die lange unterdrückten, nach Apartheidsregeln geächteten Ureinwohner des Kontinents? Nur ist das wahre Leben keine Broschüre und die alltägliche australische Politik nicht überall einladend.

Aber der Premier besucht ja gerade Deutschland und bietet damit Anlass für einen genaueren Blick. Tatsache ist, dass die ehemalige Gefangenen-Kolonie Jahr um Jahr mehr als 100 000 Einwanderer aufnimmt, dazu 12 000 Flüchtlinge in gesonderten Programmen, und sie alle ziemlich konfliktfrei. Tatsache ist allerdings auch, dass Zuwanderung sowieso wirtschaftlich zwingend ist und außerdem die konservative Regierung Howard rigide gegen alle Flüchtlinge und Asylsuchende vorgeht, die ihr nicht willkommen sind. So hart, dass sich die Kirchen und humanitären Organisationen an die UN gewandt haben mit der Bitte, schnell vorzugehen gegen eine Politik der Abschreckung „auf Kosten der Rechte und der Wohlfahrt der Menschen“.

Multikulti ist seit 1973 in Australien offiziell Regierungssache. Das sagen Gesetze und Verordnungen. Diese Idee aber hat weniger Freunde als der unbarmherzige Umgang mit Flüchtlingen. Das sagen Umfragen und Wahlergebnisse. Tief sitzt bei einer Mehrheit das Misstrauen gegenüber Ausländern, vor allem nichteuropäischen. Der Grund liegt auch darin, dass die, die kamen, jahrzehntelang meist Weiße waren. Heute stellen Asiaten fünf Prozent der Bevölkerung. Und der Rassismus bleibt latent.

Diese Berichte sind schon abschreckend: die im letzten Jahr über den Frachter „Tampa“, der Flüchtlinge an Bord hatte, aber trotz humanitärer Not nicht in einen australischen Hafen einlaufen durfte; und die jüngsten über das System der Zwangsinternierung von Asylsuchenden, die ohne die notwendigen Papiere kommen, zum Beispiel Afghanen, Iraner, Iraker. Manche von ihnen fliehen aus dem Lager in der südaustralischen Wüste, wo Minusgrade herrschen, einige versuchen, sich selbst zu töten, wieder andere nähen sich die Münder für einen Hungerstreik zu. Allen gemein ist der Protest gegen eine Behandlung als Unperson hinter Hochsicherheitszäunen fernab der Zivilisation. Und fernab westlicher Werte, die eine Mehrheit in Australien demonstrativ hochhält. Internierungslager vertragen sich damit nicht. Das wissen alle Europäer. Nicht zuletzt die nach Australien Ausgewanderten.

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