DDR-Vergangenheit der CDU : Ausgewichen

Die CDU ist schlecht beraten, wenn sie die Blockpartei-Vergangenheit der Ost-CDU verdrängt. Eine zeitgeschichtliche Aufarbeitung und Debatte ohne Sensationsgier ist überfällig.

Geschichte zu verdrängen ist ebenso gefährlich wie Geschichte zu verfälschen. Dass die CDU in einem Papier, das den Bogen von der Vergangenheit im Osten Deutschlands zur Zukunft schlägt, das Blockpartei-Kapitel der Ost-CDU einfach unter den Tisch fallen ließ, war töricht. Denn es bot den politischen Konkurrenten mancherlei Anlass zu bissigen Vorhaltungen. Wer in der gläsernen CDU-Zentrale sitzt, soll nicht mit Karl-Marx-Büsten schmeißen. In der Tat wäre die zeitgeschichtliche Betrachtung der alten DDR-Blockparteien ein hochinteressanter, überfälliger Exkurs in die Grauzonen eines totalitären Systems. Dieser Blick könnte – die Vermeidung von Sensationsgier vorausgesetzt – so unendlich viel über das Phänomen von Engagement unter dem Vorzeichen der Anpassung und über Ausweichverhalten im durchherrschten Alltag aussagen. Viel mehr, als es eine auf Opfer und Täter fokussierte Debatte vermag. Sich dem zu verweigern, weil es auch unangenehme Wahrheiten zutage fördern könnte, ist kurzsichtig. Dass viele alte ostdeutsche CDU-Mitglieder selbst diese Aufarbeitung anmahnen, hat nichts mit Selbstgeißelung zu tun – im Gegenteil: Es fordert die Würde ein, die gelebtes Leben verdient. sc

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