Meinung : Dealende Kinder sind Opfer, keine Täter

„Wowereit: Kriminelle Kinder wegsperren“ vom 30. Juli

Manchmal fragt man sich wirklich, was in den Köpfen der sogenannten Volksvertreter vorgeht. Eine Einweisung in geschlossene Heime ist aber eine Freiheitsentziehung, ebenso wie auch eine Gefängnisstrafe bei Kinderschändern ein Freiheitsentzug ist. Zwar kann das Grundrecht auf Freiheit beschränkt werden, wenn entsprechende Gesetze den Freiheitsentzug legitimieren, aber darüber hat entsprechend dem Grundgesetz nur ein Richter zu entscheiden.

Im Übrigen würden die minderjährigen Drogendealer durch das Wegsperren erst recht zu Kriminellen gemacht. Dabei sind sie, ebenso wie Zwangsprostituierte, Opfer mafiöser Organisationen, die sie ins Land bringen und sie zu illegalen Handlungen zwingen.

Hier ist ebenso ein Machtgefälle und ein ein entsprechender Machtmissbrauch gegenüber den Kindern gang und gäbe, wie er es beim sexuellen Missbrauch ist. Allerdings käme niemand auf die Idee, die Opfer von Missbrauchsfällen als Straftäter zu bezeichnen.

Klar ist, dass den Kindern geholfen werden muss. Allerdings müssen die Kinder die Hilfe auch annehmen wollen und sich trotz der Bedrohung durch die Hintermänner sicher aufgehoben fühlen können. Ein Freiheitsentzug trägt dazu allerdings wenig bei.

Christian Piko, Berlin-Pankow

Wie sehr man daneben liegt bei der Behandlung dieser Fälle zeigen die Rufe nach Strafmündigkeit für Kinder. Das kommt davon, wenn man versucht, immer mehr Kinderrechte zu etablieren, statt sich um Kinderschutz zu kümmern. Denn die Kinder sind nicht die Täter, sondern die Opfer. Aber es ist viel leichter gegen Kinder vorzugehen, als gegen die wirklichen, erwachsenen Schuldigen. Auch wenn man vor denen zu viel Angst hat, hätte es sicherlich schon mal geholfen, wenn man die Kinder vor deren Zugriff schützen würde, und zwar nicht erst nach mehr als zehn Festnahmen.

Waruno Mahdi, Berlin-Neukölln

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