Debatte um Berliner Kulturhaushalt : Auch über Kunst reden

Berlins Kulturhaushalt wächst. Das bedeutet vor allem für die großen und mittleren Einrichtungen eine bessere finanzielle Ausstattung. Aber Geld allein macht nicht glücklich und produktiv.

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Theater im Berliner Plänterwald. Das Hebbel am Ufer nutzte den brachliegenden Vergnügungspark im Jahr 2011und veranstaltete dort die Kunstaktion "Lunapark".
Theater im Berliner Plänterwald. Das Hebbel am Ufer nutzte den brachliegenden Vergnügungspark im Jahr 2011und veranstaltete dort...Foto: dpa

Schon mal vom National Endowment for the Arts gehört? Das ist die einzige nationale Stiftung der USA, die Stipendien und Projektmittel an Künstler und Institutionen vergibt. Jahresbudget: 120 Millionen Dollar. Eine lächerliche Summe für die ökonomische und militärische Weltmacht Amerika.

Weltweit führend bei den Kulturausgaben sind die deutschen Großstädte, an erster Stelle (nach den absoluten Zahlen) natürlich Berlin. Frankfurt am Main gibt prozentual mehr Geld für Kultur aus als die Bundeshauptstadt und liegt – bei 700 000 Einwohnern – mit 166 Millionen Euro pro Jahr weit vorn. Solche Vergleiche hinken wie Fausts höllischer Freund Mephisto. Erhellend sind sie dennoch.

Im Doppelhaushalt des Senats ist ein zweistelliger Millionenbeitrag Zuwachs für die Kultur vorgesehen

Im Abgeordnetenhaus haben die Beratungen über den neuen Doppelhaushalt begonnen. Für die Kultur sieht der Senat 379 Millionen Euro (2014) und 396 Millionen Euro (2015) vor, was einen zweistelligen Millionenzuwachs bedeutet. Das sind sehr gute Zahlen. Berlins Kulturbetrieb boomt, zieht Touristen an und holt das Geld wieder herein, das für die Kultureinrichtungen ausgegeben wird. Nimmt man die Mittel hinzu, die der Bund für die hauptstädtische Kultur bereitstellt, zum Beispiel für die Berliner Festspiele, das Jüdische Museum oder die Akademie der Künste, dann soll man wirklich nicht meckern.

Alle glücklich? Alles prima? Thema erledigt? Im Grunde schon. Und doch wieder Ärger. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Der Regierende Kulturmeister Klaus Wowereit und sein Kulturstaatssekretär André Schmitz haben es geschafft, die großen und mittleren Einrichtungen auskömmlich zu finanzieren. Der Großteil der geplanten Erhöhungen fließt daher in die tariflich steigenden Gehälter der dort Angestellten. Und da beginnt der Konflikt.

Die Koalition der Freien Szene und der Rat für die Künste protestieren, die Off-Künstler fühlen sich abgekoppelt vom Hauptstadtboom. Schließlich haben SPD und CDU vereinbart, den freien Bereich stärker zu unterstützen. Doch wie funktioniert das?

Zur Kulturverwaltung braucht es mehr, als mehr Geld

Man kann Produktionsorte wie die Uferstudios, die Sophiensäle, das Hebbel am Ufer besser ausstatten und den Tanz vor allem fördern. Die Freie Szene will an der Bettensteuer partizipieren – eine gute Idee, es wären zusätzliche Mittel. Mit einer klugen Liegenschaftspolitik kann der Senat kulturelle Orte schützen oder überhaupt erst schaffen. Das erfordert Fantasie, aber nicht so viel Geld. Zur Kulturverwaltung gehört Gestaltung.

Außerdem: Die Grenzen zwischen Hoch- und Off-Kultur zerfließen oder existieren gar nicht mehr. Wie schnell landen junge Künstler in den großen Häusern. Und weil es hier nicht nur ums Geld gehen darf, stellen sich ästhetische Fragen. Was unterscheidet ein Freies Theater von einer Produktion der Schaubühne oder einem Studio-Stück am Deutschen Theater? Manchmal nichts, manchmal eine ganze Welt. Wie drückt sich das Freie aus? Sind Institutionen vielleicht unfrei? Vorschlag: Reden wir auch über Kunst, wenn wir über Kultur reden.

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