Meinung : Den Geist in der Flasche halten

Iran bietet Europa die Überwachung seiner Atomtechnik an Kaveh L. Afrasiabi

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Die dritte Gesprächsrunde zwischen Europa und Iran über das iranische Atomprogramm in Genf ist gerade ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nun sollen, wie im vergangenen November in Paris vereinbart, die Verhandlungen in einem Vermittlungsausschuss fortgeführt werden, mit dem Ziel, „Projekte und Maßnahmen unabhängig von einem Gesamtergebnis umzusetzen“. Es ist unwahrscheinlich, dass es zu einem endgültigen Abkommen zum Nuklearprogramm kommen wird, viel wahrscheinlich ist ein Showdown zwischen Iran und der EUUSA-Koalition im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Was für weitere Optionen gibt es jetzt also noch?

Anders als gerne von den Medien verbreitet, ist die „Osirak-Variante“ – benannt nach Israels erfolgreicher Zerstörung des irakischen Atomreaktors 1981 – so gut wie unmöglich: Osirak befand sich damals noch im Aufbau, Irans Atomreaktor in Buschir dagegen ist fast fertig, nicht zuletzt dank der Mitarbeit hunderter russischer Techniker, deren Leben bei einem Angriff auf dem Spiel stehen würden.

Auch die Strategie, die Bill Clinton bei Nordkorea angewendet hat – das Angebot wirtschaftlicher Hilfen im Gegenzug für die Demontage der Reaktoren – wäre wenig Erfolg versprechend: Nicht nur ist Iran, dem es wirtschaftlich derzeit ausgesprochen gut geht, dafür kaum empfänglich. Darüber hinaus hat diese Strategie auch bei Nordkorea nicht verhindern können, dass sie die Bombe bekamen.

Dass Iran dem Beispiel Libyens folgt und die Nukleareinrichtungen freiwillig abrüstet, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Anders als Libyen, das seine Nukleartechnologie importieren musste, produziert Iran viele Komponenten seines Programms, darunter Teile zur Urananreicherung, selbst. Mit anderen Worten, ob es dem Rest der Welt gefällt oder nicht, Iran ist heute geneigt, Nuklearwaffen herzustellen.

Die beste Option, ein „Break- out“-Szenario zu verhindern, ist deshalb ein kontrolliertes, überwachtes Anreicherungsprogramm in Verbindung mit einer sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Einbindung Irans. Dies ist genau die Verhandlungsposition Teherans: das Angebot, die Anreicherung von Uran auf einem niedrigen Niveau (zum Beispiel 3,5 bis 8 Prozent) zu halten und auf die weitere Anreicherung, die der Westen fürchtet, zu verzichten. Bei diesem Angebot folgt Iran dem Rat mehrerer Wissenschaftler, auch von der Atomenergiebehörde IAEO, die Umwandlung schwach angereicherten Urans zu Brennstäben von außen kontrollieren zu lassen.

Irans Angebot, das die EU derzeit prüft, ist eindeutig und schließt auch nicht, wie fälschlich berichtet, die Nutzung von 500 Zentrifugen aus. Dieses Kompromissangebot geht über das „Additional Protocol“ hinaus, das die Nutzung der Kernenergie für Waffensysteme ausschließen soll; es räumt den Inspekteuren der IAEO noch größeren Spielraum ein, die in den vergangenen Jahren bereits über 1000 Tage in Iran verbracht haben und auch Überwachungskameras eingesetzt haben.

Dieses Angebot vermag den Geist eines iranischen Nuklearwaffenprogramms eher in die Flasche zurückzubringen als die Pseudoanreize der Bush-Regierung – wie etwa der Beitritt zur Welthandelsorganisation oder die Lieferung irgendwelcher Flugzeugteile. Dieser Ansatz, von Kanzler Schröder und Präsident Chirac initiiert, wird von Iran als „ungleicher Tausch“ abgelehnt angesichts der Hunderte von Millionen Euro, die in die Anlagen investiert wurden, die nun demontiert werden sollen.

Die Verhandlungen zwischen Iran und der EU stehen nun an einer entscheidenden Weggabelung. Nachdem es den Europäern gelungen ist, Washington für einen diplomatischen Vorstoß zu gewinnen, sollten sie nun die sich bietenden Chance, die Proliferation einzudämmen, nutzen – und das Angebot Irans ernsthaft prüfen.

Der Autor ist Wissenschaftler am Teheraner Center for Strategic Research und Berater der iranischen Regierung bei den Atomverhandlungen.

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