Meinung : „Den Guten können wir heute mehr bieten“

Dagmar Rosenfeld

Was Frank-Jürgen Weise denkt und fühlt, lässt er sich nicht gern anmerken. Als Chef der Bundesagentur für Arbeit sind große Emotionen seine Sache eher nicht. Aber wenn sie es wären, dann hätte er oft Grund, unglücklich zu sein. Zum Beispiel wegen der erschreckend hohen Arbeitslosenzahl von mehr als vier Millionen. Nun aber hat die Bundesagentur eine Zahl veröffentlicht, die Weise ein wenig glücklich machen könnte, eigentlich. Im Juni zählte die Nürnberger Behörde 774 000 offene Stellen, die sie vermitteln könnte. Der Großteil davon, nämlich mehr als 600 000, sind sozialversicherungspflichtige Jobs. Gesucht wird vor allem in der Gastronomie, aber auch in Branchen, von denen man dachte, es gehe ihnen viel zu schlecht, um neue Leute einzustellen: im Einzelhandel und im Bau.

Und dann gibt es eine weitere Sache, die Weise noch ein wenig glücklicher machen könnte, eigentlich. Wirtschaftsforschungsinstitute wie das IW in Köln gehen davon aus, dass die Zahl der offenen Stellen noch weit höher ist und bei 1,3 Millionen liegt. Schließlich melden längst nicht alle Unternehmen ihre unbesetzten Jobs bei der Bundesagentur.

Allerdings sind das auch Zahlen, die Weise ziemlich unglücklich machen könnten. Denn warum schafft es seine Behörde nicht, Arbeitssuchende und Arbeitsplätze zusammenzubringen? Immerhin ist das doch ihr Kerngeschäft. So suchten zuletzt in Deutschland rund 86 000 Maler einen Job. Wie kann es da sein, dass in Nürnberg derzeit 7000 unbesetzte Stellen in dieser Berufsgruppe registriert werden?

„Es gibt ein Bündel von Motiven, warum die Sache nicht so einfach ist“, heißt es in Weises Behörde. Von mangelnden Qualifikationen ist die Rede, vom hohen Anforderungsprofil der Arbeitgeber und von Zumutbarkeit. So sei beispielsweise einer alleinerziehenden Mutter keine Nachtschicht zuzumuten. Aber es gibt ja nicht nur alleinerziehende Mütter in Deutschland, die auf Arbeitssuche sind. Zwar kann die Bundesagentur Arbeitslosen, die ein zumutbares Angebot ablehnen, die Leistung kürzen. Davon macht sie aber kaum Gebrauch – im Jahr 2005 hat sie das nur bei 25 476 Arbeitslosengeld-IEmpfängern getan.

Weise hatte Anfang 2004, als er den Vorsitz in Nürnberg übernahm, als Ziel verkündet, mehr Menschen, die arbeiten wollen, auch arbeiten zu lassen. Schade, dass das offenbar nur bedingt funktioniert.

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