Meinung : Der Affe lässt sich nichts unterschieben Die Männchen erkennen ihre Nachkommen am Geruch

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Von Alexander S. Kekulé

WAS WISSEN SCHAFFT

Schimpansen und Pavianweibchen wollen für ihre Jungen nur das Beste – vor allem die besten Gene. Deshalb verdrehen sie während der fruchtbaren Tage möglichst vielen Männchen den Affenkopf, so dass deren Spermien in den Eileitern regelrecht um die Wette laufen müssen – und nur die vitalsten Samenzellen eine Chance haben. Um diese „Spermakonkurrenz“ anzuheizen, legen sich unsere behaarten Schwestern ganz schön ins Zeug: Die Primatenforscherin Jane Goodall zählte bei einer Schimpansendame 84 Kopulationen in acht Tagen, mit sieben verschiedenen Männchen. Bis vor kurzem glaubten die Forscher, der Darwinismus im Unterleib hätte eine ziemlich vaterfeindliche Konsequenz: Da kein Affenvater genau wüsste, welche Jungen seine eigenen sind, beschützte er ohne Unterschied die ganze Gruppe.

In den letzten Jahren hat sich jedoch das Bild des Affenmannes gewandelt. Zunächst entdeckten die Biologen, dass männliche Primaten sehr wohl Wesentliches zur Erziehung des Nachwuchses beitragen: Sie tragen die Kleinen herum, beaufsichtigen sie beim Spielen und bringen ihnen soziales Verhalten bei. Bisher war allerdings umstritten, ob die väterliche Affenliebe als echte Brutpflege zu interpretieren ist: Nur wenn die eigenen Nachkommen deutlich bevorzugt werden, gilt ein Verhalten als elterliche Fürsorge im biologischen Sinne.

Jetzt haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass Affenmännchen erstaunlich genau wissen, welche Jungen ihre eigenen sind. Im kenianischen Amboseli-Nationalpark beobachteten sie drei Jahre lang, wie männliche Steppenpaviane in Streitereien zwischen Jungtieren eingreifen. Die Studie zeigt, dass die Affenpapis fast immer ihre eigenen Jungen in Schutz nehmen, selbst wenn sie mit Halbgeschwistern aus demselben Wurf raufen.

Um trotz der notorischen Untreue ihrer Partnerinnen den Überblick zu behalten, hilft den Pavianmännchen in erster Linie ihre Nase: Primaten können sowohl den Zeitpunkt des Eisprunges beim Weibchen als auch ihre Nachkommen am Geruch erkennen – das gilt theoretisch auch für den Menschen. Daneben scheinen sich die männlichen Paviane zu merken, wie lange sie ein Weibchen während ihrer fruchtbaren Tage im Auge behalten haben: Wenn in dieser Zeit, die an einer Schwellung der Genitalregion zu erkennen ist, kein anderes Männchen dazwischenfunken konnte, besteht an der Vaterschaft kein Zweifel.

Die Weibchen der Spezies Homo sapiens machen es ihren Männchen nicht so einfach. Einige Wissenschaftler meinen, dass es auch beim Menschen eine „Spermakonkurrenz“ und damit einen Hang zur weiblichen Polygamie gibt. Dafür scheinen auch genetische Studien zu sprechen, denen zufolge bis zu zehn Prozent aller Kinder nicht von ihrem angeblichen Vater abstammen. Dieser Theorie zufolge dienen die weiblichen Kurven, Lippenstift, Rouge und andere vom Zyklus unabhängige Reize dazu, den Zeitpunkt des Eisprunges zu verheimlichen. Um zu wissen, wann er besonders auf Konkurrenten achten muss, bleibt deshalb auch dem Homo sapiens wohl nichts anderes übrig, als sich auf seine Nase zu verlassen.

Der Autor ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie in Halle. Foto: J. Peyer

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