Meinung : Der Boss der Genossen

Peter Hartz geht: Bei VW können sie sich nun wieder auf Autos konzentrieren

Alfons Frese

Im Unternehmensarchiv wird dereinst über Peter Hartz zu lesen sein, er habe mit seiner Entscheidung vom 8. Juli 2005 Volkswagen einen letzten Dienst erwiesen. Der Personalvorstand von VW hat dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt angeboten. Der Mann, dessen Namen die umstrittensten Sozialreformen der letzten Jahrzehnte tragen, geht vorzeitig in den Ruhestand. In Wolfsburg können sie sich nun wieder auf Autos konzentrieren. Zuletzt personalisierte sich die Hauptverantwortung für die Sex-and- Crime-Affäre in Peter Hartz, weil die Beschuldigten enge Mitarbeiter von ihm waren und weil er doch mit großer Wahrscheinlichkeit von dem wolllüstigen Treiben einiger Angestellter wusste und dafür wohl auch Konzerngelder zur Verfügung stellte.

Hartz hat Geschichte geschrieben. Zum 1. Oktober 1993 wurde er Personalchef in Wolfsburg, wo der neue Boss Ferdinand Piëch vor einem großen Problem stand: VW hatte 30000 Mitarbeiter zu viel. Hartz erfand gemeinsam mit Betriebsrat und IG Metall die Vier-Tage-Woche, kürzte also die Arbeitszeit enorm und verhinderte so Massenkündigungen. Nicht weniger spektakulär war das Arbeitsmodell 5000 mal 5000: für einen Einheitslohn (5000 Mark) stellte VW 5000 Arbeitslose ein. Im vergangenen Jahr schließlich einigten sich Unternehmen und Arbeitnehmer auf eine Arbeitsplatzgarantie für die 103000 Beschäftigten in den westdeutschen Werken als Gegenleistung zu Lohneinbußen.

Hartz hat innovative Personalpolitik gemacht, in der Beschäftigung oberster Maßstab war. Daran können sich viele 08/15-Kostenkiller, unter denen der Standort Deutschland leidet, ein Beispiel nehmen. Hartz hat vermutlich irgendwann den Überblick verloren, wer in dem Interessengefüge, in dessen Mitte er agierte, wofür steht. Betriebsrat, IG Metall und Unternehmensvertreter hatten sich prächtig in einem System arrangiert, das ihnen allen gut tat.

Da wundert es auch nicht mehr, wenn ein Betriebsratsvorsitzender mehr als 300000 Euro im Jahr kassiert und sich Flüge der Freundin bezahlen lässt. Hartz fand das wahrscheinlich in Ordnung. Jetzt ist er weg und kommt nie wieder, denn es wird keinen Konzernvorstand mehr für Personal geben. Hoffentlich trägt das zur Entfilzung bei.

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