Meinung : Der kaukasische Knoten

WAHL IN TSCHETSCHENIEN

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Der größte Erfolg der TschetschenienWahl, sagt Putin, sei, dass keiner der Kandidaten sich für eine Trennung von Russland aussprach. Das ist frommer Selbstbetrug und allein der Tatsache geschuldet, dass eine Unabhängigkeit nach Annahme des neuen Grundgesetzes gar nicht mehr zur Debatte steht und die Separatisten sowohl beim Verfassungsreferendum im März als auch bei den Wahlen vorgestern außen vor blieben. Nach den Wahlen steht Moskau daher in Tschetschenien vor demselben Dilemma wie zuvor: Wer überzeugende Mehrheiten einfahren könnte, braucht den Segen des Kremls nicht; und wer ihn hat, gewinnt keine Mehrheiten. Nur eine unangefochtene Autorität hat Chancen, den kaukasischen Knoten zu entwirren. Kadyrow mit seiner „Todesschwadron“ ist das genaue Gegenteil einer solchen Lichtgestalt und wird selbst seinen Gönnern unheimlich. Doch Putin will das leidige Tschetschenienproblem wegen der nahenden Wahlen schnellstmöglich einem Tschetschenen aufbürden. Obwohl schon Jelzin 1995, ebenfalls in Wahlkampfnöten, mit eben diesem Szenario scheiterte und die Republik am Ende de facto in die Unabhängigkeit entlassen musste. win

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