Meinung : Der Mordfall Rohwedder: Haarige Beweise

hmt

Zum Thema Porträt: Detlev Karsten Rohwedder
Hintergrund: Auszüge aus der Pressemitteilung der Generalbundesanwaltschaft
Chronologie: Attentate der RAF Menschen wollen Gewissheit, Juristen aber sind vorsichtig in ihren Formulierungen. Die Bundesanwaltschaft bezeichnet den vor acht Jahren umgekommenen RAF-Terroristen Wolfgang Grams nicht als Tatbeteiligten, sie nennt ihn nicht einmal einen Tatverdächtigen. Zehn Jahre nach den tödlichen Schüssen auf Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder ist die Botschaft aus Karlsruhe trotzdem eindeutig: Grams war beteiligt an diesem Mord der letzten RAF-Generation. Nun gilt Grams weit über die linksradikale Szene hinaus als Opfer staatlicher Willkür oder zumindest polizeilicher Vertuschungstaktik: Er war 1993 in Bad Kleinen durch Pistolenkugeln gestorben, als die GSG 9 ihn festnehmen wollte. Der Karlsruher Hinweis, der tote Grams könne der Täter oder einer der Täter beim Rohwedder-Attentat gewesen sein, wird neues Misstrauen provozieren. Es gibt aber keinen Anhaltspunkt für die These, das Bundeskriminalamt habe unbedingt einen Erfolg präsentieren wollen - die hätte vor wenigen Wochen zum 50. Geburtstag der Behörde oder zum zehnten Jahrestag des Rohwedder-Mordes viel größere Wirkung erzielt. Zwar mag in der Nachricht über den Durchbruch des Bundeskriminalmtes (BKA) bei der genanalytischen Untersuchung von Haaren ein wenig Stolz mitschwingen. Die insgesamt triste Bilanz des BKA bei der Aufklärung der RAF-Taten hellt dies nur wenig auf. Und es ist leider wenig wahrscheinlich, dass noch so einfallsreiche wissenschaftliche Methoden diese Bilanz je entscheidend verbessern werden.

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