Meinung : Der Ton macht die Musik

Zur Diskussion über Thilo Sarrazin

Ich befürchte fast, dass das Buch von Thilo Sarrazin ein Bestseller wird, weil viele Menschen gerade beim Migranten-Thema in ihrer übertriebenen Emotionalität den Verstand ausschalten. Es wäre besser gewesen, wenn Herr Sarrazin ein Buch über die Banken-Verantwortung in der Weltwirtschaftskrise geschrieben und sich anschließend aus dem Bundesbank-Vorstand in den Ruhestand verabschiedet hätte!

Thomas Henschke,

Berlin-Waidmannslust

Nicht die These, dass der Wegfall von Grenzen auch zu interkulturellen Partnerschaften und Familienbeziehungen führt und es zu Ab- und Zuwanderungen kommt, ist in meinen Augen das Problem, sondern dass Sarrazin darin eine Art Weltuntergang heranziehen sieht, vor dem zu warnen er sich berufen fühlt. Im Grunde könnte er ja schreiben, was er möchte. Mich beschäftigt allerdings die Frage, wie so ein Mann einen Senatorenposten innehaben konnte. Ich bin davon ausgegangen, dass leitende Politiker ein gewisses Bildungsniveau besitzen.

Monika Müller, Berlin-Heiligensee

Sarrazin hat mit seinen Äußerungen schon recht, nur er löst damit nicht das Problem einer jahrzehntelangen verkehrten Zuwanderungs- und Integrationspolitik. Aber das alles ist bekannt: Hiesige Ausländer haben überwiegend nicht das Qualifikationsniveau, welches der heutigen und schon gar nicht der künftigen Arbeitswelt entspricht. Sie fallen den Sozialkassen zur Last. Will Sarrazin jetzt, wo die deutsche Wirtschaft wieder im größeren Maße auf ausländische Arbeitnehmer angewiesen ist, sich als Mahner erweisen? Anhand seiner bisherigen gesellschaftlich polarisierenden Beiträge ist dies zu verneinen. Sarrazin legt den Finger mit gutem Recht in die Wunde, doch gleichzeitig zündelt er. Ihm deswegen Anti-Ausländerparolen zu unterstellen wäre falsch. Um was geht es Sarrazin in Wirklichkeit? Will er – wie Edmund Stoiber vor einigen Jahren mit dem Begriff der „Durchrassung des deutschen Volkes“ – vielleicht unsere nationale Identität bewahren oder geht es ihm viel mehr um die Sorge des deutschen Sozialsystems? Man darf gespannt sein.

Dr. Hans-Dieter Seul,

Berlin-Lichterfelde

Ich ärgere mich derzeit über den Tagesspiegel, der dem Schwachsinn von Herrn Sarrazin so viel Platz einräumt und damit zur Verbreitung seiner Thesen beiträgt. Auch wenn die Berichterstattung kritisch ist, bleibt die Werbeweisheit bestehen: Auch negative Werbung ist Werbung.

Jens G. Röhling, Berlin-Spandau

Der Ton macht die Musik, dies nicht zu beherzigen, kann Herrn Sarrazin vorgeworfen werden. Mit dem, was er sagt, steht er sicher nicht so alleine, wie es von den Medien gerne verbreitet wird. Es ist sicher politisch nicht korrekt. Aber ist das Demokratie, wenn nur mit den Wölfen geheult werden darf?

Irene Nitz, Berlin-Wilmersdorf

Der Aufschrei über die angebliche Provokation zeigt, dass die Betroffenen und Ihre Interessenvertretungen es bis jetzt versäumt haben, sich hier in Berlin den Gegebenheiten anzupassen. Als ehemaliger Neuköllner empfehle ich den Gutmenschen und Weichspülern aus der Politik, zieht dahin und lebt eine Zeitlang dort. Ihr werdet von der Realität überrascht sein. Fazit: Schöne Worte sind nicht wahr, wahre Worte sind nicht schön. Herr Sarrazin hat recht und soll weiterhin am Baum der Erkenntnis rütteln.

Albrecht S. Schnabel,

Berlin-Lichterfelde

Wenn Thilo Sarrazin eine seiner provokanten Thesen äußert, fallen alle über ihn her – selbst dass er aus der SPD austrete, wird gefordert. Aber auch wenn seine Ansichten zum Thema Migration und Integration nicht in den SPD-Mainstream passen – ein Querdenker wie Sarrazin steht den Sozialdemokraten gut zu Gesicht.

Kurt Gäbler, Berlin-Kreuzberg

Das Problem ist, dass die Reaktionen auf die unsäglichen Äußerungen des Herrn Sarrazin jedes Mal seinen Narzissmus aufs Neue bedienen. Die große Aufmerksamkeit in den Medien samt der obligaten Leserzuschriften, die Kommentierung durch Parteifreunde, politische Gegner, Wissenschaftler usw. wird nur bewirken, dass er so weitermacht und sich insgeheim wieder und wieder schlapp lacht, es allen gezeigt zu haben.

Holger Kühne, Berlin-Schöneberg

Wer sich Auszüge aus dem Buch des Thilo Sarrazin einverleibt hat, kann nicht umhin, ihm teilweise recht zu geben. Die Integrationspolitik treibt weiterhin kuriose Blüten, die zu Recht auch vom Bezirksbürgermeister von Neukölln kritisiert werden.

Thomas Hansen,

Berlin-Märkisches Viertel

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