Meinung : Deutsche Bahn: Nur Fliegen ist teurer

Margarita Chiari

Teuer, unübersichtlich, verwirrend - das vernichtende Urteil der Stiftung Warentest über die Preise der Bahn hat man bei dem Schienenunternehmen offenbar gründlich studiert. Nun, gut anderthalb Jahre später, sickert langsam durch, wie sich die Manager die künftigen Bahn-Preise vorstellen. Nichts wie weg mit den unzähligen Sondertarifen, mit Super-Sparpreisen und Gute-Wochenende-Tickets, mit Zuschlägen und Aufpreisen, bei denen niemand mehr durchblickt - selbst die eigenen Beschäftigten nicht. In Zukunft soll alles ganz einfach werden. Wer billig durch die Lande reisen will, wird sich mit dem Start des neuen Preissystems im kommenden Jahr nur noch um eines kümmern müssen: frühzeitig auf einen Zug festlegen und nicht mehr umbuchen. So kennt man es schließlich auch bei den Fluggesellschaften.

Die Kritiker sind bereits laut zu vernehmen: Die Bahn, so ihr Vorwurf, verprellt ihre besten Kunden. Schon heute sind mehr als 80 Prozent der Bahn-Reisenden mit verbilligten Tickets unterwegs, den vollen Preis zahlen nur die wenigsten. Ihren treuesten Kunden, den Bahncard-Besitzern, hat die Bahn bereits Anfang dieses Jahres eine ärgerliche Überraschung beschert. Die Karten wurden teurer. Und mit dem neuen Preissystem sollen auch die Vorteile deutlich gekappt werden. Statt 50 Prozent wird es dann nur noch 25 Prozent Rabatt geben. Mancher wird da zu rechnen beginnen, ob es sich für ihn noch lohnt, zum Kreis der bevorzugten Vielfahrer zu gehören. Wirklich ärgerlich aber wird es vor allem für jene, die bisher die große Flexibilität bei der Bahn lobten: Das schnelle Aufspringen in letzter Minute wird in Zukunft deutlich teurer sein. Für die spontanen Umsteiger aus Flugzeug und Auto ist die Bahn dann vielleicht keine Alternative mehr.

Doch dieser Aufschrei greift zu kurz. Dass es viele Reisende gibt, die sich auch frühzeitig auf einen bestimmten Zug festlegen wollen, beweist die eifrige Nutzung des Online-Angebotes "Surf & Rail". Und so mancher Urlauber, der auch jetzt Wochen im Voraus seine Karten reserviert, wird in Zukunft mit Freuden zu den günstigen Angeboten außerhalb der Hauptverkehrszeiten greifen. Jene aber, die den vollen Preis für die teuren Verbindungen bezahlen, werden sich dann vielleicht nicht mehr zwischen Reisekoffern durch einen vollen Zug drängeln müssen.

Doch das wahre Übel sind nicht die Preise. Noch immer schafft die Bahn es nicht, Züge und Anschlussverbindungen pünktlich zu koordinieren. Auf den ICE-Strecken geht es schnell, doch auf Nebenstrecken sehr, sehr langsam. Eine gute Verzahnung der Fahrpläne ist den Reisenden noch immer das Wichtigste. Dafür würden sie auch den notwendigen Preis zahlen - und Auto und Flugzeug stehen lassen.

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