Meinung : Die Bäume sind die Dummen

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Eines der liebenswürdigsten Rituale der Republik ist der jährliche Waldschadensbericht. Zwar lebt der Wald, der seit ca. 15 Jahren tot sein sollte, nicht nur immer noch, sondern breitet sich in Deutschland ungefragt weiter aus, doch es gibt inzwischen viel zu viele Organisationen, die von seinem Sterben leben. Da die Zahl der beeinträchtigten Bäume aber je nach Wetter von Jahr zu Jahr schwankt, hat sich ein einfaches Interpretationsmuster durchgesetzt: Mehr Bäume krank – die ÖkoKatastrophe schreitet voran. Weniger Bäume krank – die Öko-Katastrophe schreitet trotzdem voran. Die Bäume sind die Dummen: Obwohl die Luft um sie herum seit 20 Jahren dramatisch besser geworden ist, können sie nicht angemessen reagieren. Auswandern geht nicht, Selbstmord auch nicht, also stehen sie nur dumm herum und warten ab. Renate Künast hat kürzlich in einem leichtsinnigen Moment der Vernunft den Wald für weitgehend geheilt erklärt. Solche taktischen Fehler wird sie nicht noch einmal machen. Denn ohne die Angst vor dem Waldsterben hätte es die Grünen nie gegeben. Und jede Partei braucht ja ein solides politisches Fundament.

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