Meinung : Die CDU und die K-Frage: Mal wieder auf die Basis hören

Der Lehrer Bömmel aus der "Feuerzangenbowle" mag als Ratgeber für CDU und CSU nicht ganz die erste Wahl sein. Von Bömmels Rezept zur Annäherung an schwierige Fragen kann die Union aber vielleicht trotzdem lernen. "Jetzt stellen wir uns mal janz dumm" - warum nicht? Betrachten wir das Podium des Dresdner CDU-Parteitags als Probebühne, auf der zwei Konkurrenten um die Rolle des Hauptdarstellers ihr Bestes geben werden. Vergessen wir für den Moment die Vorgeschichte. Ignorieren wir, wie viele Anhänger dieser oder jene in den eigenen Reihen hat. Nehmen wir als Gewissheit an, dass Edmund Stoiber wie Angela Merkel die Rolle anstreben. Und dann fragen wir uns: Woran erkennen wir, wer besser ist?

Die nahe liegende Antwort heißt: Am Beifall. Moment, sagen aber die Anwärter: Eine Entscheidung in Dresden käme viel zu früh. In zwei, in drei Monaten kann die Weltlage doch ganz anders sein! So? Und was, wenn sie in fünf, sechs Monaten wieder anders ist? Will man den Schnellwechsel-Kandidaten einführen? Schwach auch das Argument, der zu früh benannte Bewerber werde verschlissen - im Moment verschleißen gleich zwei auf einmal. Stellen wir uns also einfach weiter dumm und befragen die Gefolgsleute unserer Helden, was denn für, was gegen sie spricht. Wir stoßen dabei auf einen befremdlichen Befund. Es gibt auf beiden Seiten ein ganzes Arsenal von Argumenten, um zu beweisen, warum der / die jeweils andere schlechter ist: Zu diffus, zu umstritten, zu führungsschwach die eine; zu grobschlächtig, zu wenig bundespolitiktauglich, zu autoritär der andere. Merkel, höhnen die Stoiberianer, sei das personifizierte Sowohl-als-auch. Stoiber, giften die Merkelianer zurück, habe immer eine knallharte Position - notfalls von einem Tag auf den anderen die gegenteilige. Positive Gründe für die Bewerber sind viel seltener zu hören.

Die ernsthaften Argumente der Merkel-Anhänger laufen auf eine soziologische Vermutung hinaus, die der Stoiber-Freunde auf die normative Kraft des Faktischen. Merkel gilt ihren Freunden als pragmatische Liberale, die Schröders Neue Mitte ansprechen und dem Kanzler Wechselwähler abspenstig machen könnte. Stoiber gilt seinen Anhängern als pragmatischer Rechter, der das konservative Kernpotenzial maximal mobilisieren und Mitte-Wähler mit dem Vorbild Bayern locken könnte.

Und, welche Theorie stimmt? Treiben wir unsere Dummheit noch ein wenig weiter und fragen die Meinungsforscher. Ergebnis: Stoiber liegt weit vor Merkel, weit vor beiden aber liegt Gerhard Schröder. Leider wissen die Demoskopen auch nicht so genau, wie sich dieses Rating verschieben wird, wenn die K-Frage entschieden ist und nur noch einer als Herausforderer zur Wahl steht. Die Umfrager haben allerdings den Verdacht, dass die Union mit geklärter K-Frage von Regierungskrisen weit mehr profitieren würde, weil ihre Attacken dann nicht mehr vorrangig als Teil des inneren Machtkampfs gedeutet würden.

Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären: wer der Bessere ist. Hilft Lehrer Bömmels Rezept also nicht? Vielleicht müssen wir uns bloß noch dümmer stellen. Und doch auf den Beifall achten. Es gibt ein Vorbild für die Weisheit der Applaudierenden. In Leipzig 1998 hatten die Delegierten des Parteitags erkannt, was viele ihrer Oberen nicht wahrhaben wollten: Kohl war in der Wahl chancenlos, Schäuble hätte manches retten können.

Stoiber und Merkel wollen die Sache unbedingt unter sich ausmachen. Falsch. Sie sollten auf den Parteitag hören.

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