Meinung : Die deutsche Aufregung

„Kinderärzte wollen Legalisierung der Beschneidung stoppen“ vom 12. September und „US-Politiker drängen auf schnelle Lösung“ vom 11. September

Wer als Kinderschützer auftritt, hat schon mal alle Sympathien auf seiner Seite, beispielsweise nach dem Kölner Beschneidungsurteil. Genügend Ärztinnen und Ärzte sehen das allerdings anders als z. B. der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und befürworten weiterhin die rituelle Beschneidung. Sie beachten das Menschenrecht auf freie Religionsausübung und das Elternrecht auf Erziehung. Sie sorgen sich um die Folgen eines Verbotes in Deutschland, nicht zuletzt um die gesundheitlichen Risiken bei dann illegal durchgeführten Eingriffen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine aktuelle Studie der American Academy of Pediatrics, der Interessenvertretung von 60 000 US-Kinderärzten, wobei es gar nicht um die rituelle Beschneidung geht. Hier wird aus rein medizinischen Gründen als Vorsorge vor späteren Erkrankungen die Beschneidung empfohlen, am besten im Neugeborenenalter. Voraussetzung ist die Einwilligung der Eltern und die Durchführung nach ärztlichen Standards mit wirksamer Schmerztherapie. Die Interessenvertretung der US-Gynäkologen, American College of Obstetricians and Gynecologists, schloss sich dieser Empfehlung an. In den USA werden 55 Prozent der Knaben aus medizinischen oder hygienischen Gründen beschnitten, vor 20 Jahren waren es sogar noch 79 Prozent.

Die deutsche Aufregung ist weltweit nicht gut begründet. Wir wären das einzige Land, das die rituelle Beschneidung als Straftat verbietet. Über die unterschiedlichsten Risiken und Nebenwirkungen sollten sich gerade Ärzte mehr Gedanken machen.

Dr. med. Jürgen Hölzinger,

Berlin-Zehlendorf

„Nicht ganz korrekt“ vom 11.September

In der Beschneidungsdebatte geht es den Beschneidungsgegnern um Kinderrechte. Bei einem Verbot würden zudem die Religionsfreiheit und die Rechte des Kindes gestärkt. Mir ist nicht nachvollziehbar, dass man nicht nachfühlen kann, was man Kindern mit der – außerdem meist betäubungslosen – Beschneidung antut. Sind mit „inkompetenten Fachleuten“ von Herrn Schlesinger auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland gemeint? Was hier durch ungerechtfertigte Antisemitismusvorwürfe und fehlendes Einfühlungsvermögen beschnitten werden soll, ist vor allem die Vernunft und der gesunde Menschenverstand.

Margot Winkler, Berlin-Moabit

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