Meinung : Die Garde von gestern

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Er ist fertig“ hieß damals die Parole der Protestler gegen Slobodan Milosevic. Einige von ihnen erweiterten den Slogan jetzt am Tag seiner Beerdigung zum grimmigen, letzten Gruß und Wunsch: „Er ist wirklich fertig.“ Immerhin noch etwa 50 000 Anhänger des toten Tyrannen hatten sich mit Bussen zur Trauerfeier nach Belgrad karren lassen, auf einen rappelvollen Platz. Gleichwohl: Die Gefolgschaft der radikalen Nationalisten und Sozialisten altert. Sie repräsentiert nicht die Zukunft. An einem kalten Märztag und ohne offiziellen Pomp versank der Sarg im Boden Serbiens, das einmal Teil jenes Jugoslawien war, das längst in der Europäischen Union angekommen wäre, sogar als eines der ersten Neumitglieder, hätten Milosevic und seine Mördermilizen nicht die Zerfallskriege angezettelt. Abertausende Tote, Frauen, Männer und Kinder, gehören zum Erbe Slobodan Milosevics. Der nahm nun keinen Schuldspruch mit ins Grab – aber die vier langen Jahre, in denen er den Aussagen seiner traumatisierten Opfer zuhören mussten. Zeugenaussagen und Zeitdokumente, die Serbien den Weg zur Wahrheit weisen und den in die Zukunft ebnen können. cf

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