Meinung : Die Japaner waren schneller

„Potsdam hilft Japan bei Geschichtsklitterung / Gedenkort für Hiroshima

verschweigt Tokios Kriegsschuld“

von Robert S. Mackay vom 1. Juli

Der Autor hat recht, dass die Initiatoren besagter Gedenkstätte in ihrer jahrelangen Kampagne unkritisch mit der Geschichte umgingen. Falsch ist hingegen seine Annahme, in Japan fehle ein Engagement zur Geschichtsaufarbeitung völlig, im Gegensatz zu Deutschland. Richtig ist vielmehr, dass eine kritische Geschichtswissenschaft in Japan circa 20 Jahre früher begonnen hat als in Deutschland, als nämlich die Linksintellektuellen nach der Kapitulation 1945 aus den Gefängnissen entlassen werden mussten und noch eine Rechnung mit der alten Herrschaftsschicht zu begleichen hatten. Im Vergleich dazu haben die deutschen Historiker das Thema „Vergangenheitsbewältigung“ bis in die 60er Jahre selig verschlafen. Potsdam hat aber fernab aller ideologisch gefärbten Propaganda einen Bezug zu den Atombomben, der auch den Aktivisten der Gedenkstätte – offenbar keine Fachhistoriker – unbekannt ist: Japan legte über die damals in Asien noch neutrale Sowjetunion im Juli 1945 ein Kapitulationsangebot vor, das von Stalin auf der Potsdamer Konferenz übermittelt wurde, allerdings mit abwertenden Kommentaren. Japan erhielt darauf niemals eine Antwort. Man muss also den USA doch vorwerfen, nicht hinreichend ausgelotet zu haben, ob eine Kapitulation nicht auch ohne einen nuklearen Schlag möglich gewesen wäre.Dr. habil. Gerhard Krebs,

Berlin-Zehlendorf

Robert S. Mackay hat der Stadt Potsdam vorgeworfen, sie betreibe bei der am 25. Juli vorgesehenen Einweihung des Hiroshima-Platzes in Babelsberg Geschichtsklitterung. Auf der Gedenkplatte werde Japan als Opfer dargestellt, Japan verleugne aber seine Kriegsschuld. Was will uns der „Dichter“ damit sagen? Meint er, die Atombombenabwürfe der Vereinigten Staaten seien keine Kriegsverbrechen völlig neuartiger Dimension gewesen? Soll es im modernen Völkerrecht erlaubt sein, Kriegsverbrechen der einen Seite mit Kriegsverbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung des Gegners abzugelten? Hat die Welt je gehört, dass sich die Vereinigten Staaten für das barbarische Verbrechen entschuldigt hätten? Die neuen Bomben waren nicht einmal zur Kriegsbeendigung nötig, sondern Truman wollte Stalin vor unüberlegten Abteuern warnen. Der frömmelnde Präsident hat zu allem Überfluss Gott gedankt, dass er die neue Bombe in seine Hände gelegt habe. Für eine Kritik gegenüber dem neuen Denkmal besitzt Mackay offensichtlich nicht das nötige moralische Format.

Dr. Kurt Gawlitta, Berlin-Wilmersdorf

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