Meinung : Die nächste Dimension

Googles erfolgreicher Börsengang weckt neues Vertrauen in die Technologiebranche

Henrik Mortsiefer

Es ist vollbracht. Google ist an der Börse. Die als große Party geplante Premiere an der Technologiebörse Nasdaq ist immerhin mit einem Kurssprung in den ersten Handelstag über die Bühne gegangen. Ein kleiner Trost nach all den Pleiten, Pech und Pannen im Vorfeld. Der spannendste Börsengang des Internetzeitalters ist zwar ein bisschen kleiner ausgefallen als geplant, die Google-Gründer werden ein bisschen weniger reich als erwartet und der Mythos Google hat ein paar Kratzer bekommen. Trotzdem: Es darf gefeiert werden.

Denn Google hat wahr gemacht, wovon die Pioniere der New Economy geträumt haben: Eine von Studenten gegründete Firma macht schon drei Jahre nach dem Start Gewinn, arbeitet sich – auf der Grundlage einer revolutionären Technologie – zum weltweiten Marktführer im Internet empor und verkauft ihre Aktien für 1,7 Milliarden Dollar an der größten Technologiebörse der Welt. Und sie lässt die mächtigen Wall-Street-Banken dabei nur zuschauen. Fantastisch.

Wie sich die Google-Aktie nach dem Freudensprung am Donnerstag auch immer entwickeln wird: die Firmengründer Larry Page und Sergey Brin haben – wie zuvor der Buchhändler Amazon und das Auktionshaus Ebay – der Wirtschaftsgeschichte ein aufregendes Kapitel hinzugefügt. Wer sich im Internet bewegt, kann erleben, zu welchen Innovationen die Besten der Onlinewirtschaft in der Lage sind, wie sie unser tägliches Leben erleichtern, wie sie den Globus mit einem Mausklick zum Dorf werden lassen und Geschäfte beschleunigen.

Aber es sind eben nur die Besten der Branche, denen es gelungen ist dabei gut zu verdienen und tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln, die an der Börse so hoch bewertet werden wie traditionsreiche, riesige Industriekonzerne. Die starken Marken sind stärker geworden, die Netzwerke größer und effizienter, die Kosten niedriger. Das erinnert stark an die alte New Economy – aber es ist schlicht Wirklichkeit geworden. Die Dot.Com-Ära ist tot. Es lebe die Next Economy!

Das Beispiel Google macht es greifbar: Mit einer schmucklosen Website, die für alle gratis ist, bringt uns das Unternehmen das Internet nach Hause. 200 Millionen Suchanfragen beantworten die Google-Computer am Tag, pro Sekunde sind es 2000. Auf sechs Milliarden Internetseiten, Bilder und Diskussionsforen hat die Suchmaschine Zugriff. Eine Spinne im globalen Netz, die für Werbekunden so attraktiv ist, dass Google einen milliardenschweren Umsatz macht und profitabel ist.

Und die Aktien? Reißt der Börsenstart von Google das Ruder herum und macht sie jetzt wieder attraktiv? Aktien, zumal Technologieaktien, bleiben, was sie immer waren: Risikoanlagen. Niemand sollte hoffen, dass Google all jene Kleinanleger an die Börse zurückholt, die der Dot.Com-Crash vertrieben hat. Das ist auch gut so. Zugegeben, die Schnelligkeit der Internetwirtschaft, ihre Turnschuh-Manager (es gibt sie noch!) und deren für alle verständlichen Geschäfte machen die Branche und ihre Aktien anziehend. Doch ein Blick auf die Kurse sollte eine Lehre sein: Mit stabilen Gewinnen war dort in der Vergangenheit und ist auch in Zukunft nicht zu rechnen. Viel zu groß ist der Wettbewerbs- und Innovationsdruck, der in der elektronischen Wirtschaft aus Siegern schnell Verlierer macht.

Anleger, die die Nerven und das Geld für dieses Wechselspiel haben, dürfen Google als Einladung zum Investieren verstehen. Allen anderen seien folgende Stichworte für eine Google-Suche in der erst kurz zurückliegenden Börsengeschichte empfohlen: Neuer Markt, Spekulationsblase, Kursverluste.

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