Meinung : Die Silbernen kommen

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Eine der größten derzeit anstehenden Katastrophen ist die sog. digitale Spaltung der Gesellschaft. Das klingt nach HighTech-Terrorismus, meint aber: Die einen sind im Internet, und die anderen nicht. Und die anderen, das sind die über 50. Nun mag es eher ein Zeichen seelischer Reife sein, dass unsere Senioren einfach keine Lust haben, den ganzen Tag mit Software-Aktualisierungen und Explorer-Abstürzen, mit dem Kampf gegen Internet-Würmer und gegen Müll-Mails zu verbringen, und womöglich ist ihnen sogar die sachgerechte Installation von wireless local area networks einfach schnurz. Doch das ist, wie jetzt auch das Bundesfamilienministerium deutlich macht, ein typischer Fall falschen Bewusstseins. Sie könnten Kochrezepte sammeln! Mit den Enkelchen chatten! Ein Hüftgelenks-Forum gründen! Vor allem müsste ein griffiger Name her, Online-Senioren, Notebook-Altchen, graue Netzwerker, so in der Richtung. Noch besser für die Zielgruppe wäre ein komplett unverständlicher Name, der … Danke, T-Com! „Silver Surfer“, das ist schlicht ideal, das hat Tempo und Schliff und wird zweifellos dazu führen, dass Oma Müller jetzt stolz zu ihrer Familie sagt: Seht, ich bin ein Silver Surfer. Der echte Silver Surfer übrigens ist ein Superman-Ableger, der mit allerhand Geblitz und Gerumpel andauernd die Welt rettet. Allerdings musste er immer nur gegen unbesiegbare Monster kämpfen; gegen die digitale Spaltung der Gesellschaft wäre auch er vollkommen machtlos.

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