Die Sitten der Kanzler : Adenauer liebte nur die Boccia-Kugel

Helmut Schmidts Frauen-Beichte: Heute ist das Private nicht mehr so politisch, dass einer wegen vier Ehen oder einer Geliebten ums Regieren fürchten müsste. Ein Kommentar

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Helmut Schmidt raucht Zigarette
Wie man ihn kennt: Helmut Schmidt, der Übervater der Politik.Foto: dpa

Helmut Schmidt? Nun ja, nun ja, sagt gerade ein Kollege, der das Wirken des damaligen Kanzlers noch viel näher betrachten konnte. Und wandte ein: Unsere Kanzler hätten doch alle…
Nun ja. Alle bestimmt nicht. Konrad Adenauer spielte lieber Boccia in Cadenabbia, und ob er daneben noch eine andere Liebe hatte? Die Pappritz kann es schon mal nicht gewesen sein, die war für Anstand und gute Sitten zuständig. Ludwig Erhard hatte eine Geliebte, die sich allerdings als Zigarre herausstellte. Bei Kurt-Georg Kiesinger, Kanzler der ersten großen Koalition, Philosoph und Silberzunge, war es eine Dichterin, Ricarda Huch – aber in Form geliebter Verse.

Dann steht ein Comeback des Bunga-Bunga-Königs an

Unsere Kanzler sind, was die Sitten angeht, nicht die lockersten auf der Welt. Wollen wir mal nur vornehm flüstern: Valery Giscard, François Hollande, Nicolas Sarkozy. Oder der eine oder andere Brite nach Churchill, selbst von dem groß bebrillten John Major heißt es … Und von Silvio Berlusconi erst recht. Der macht ja gerade erst wieder von sich reden. Da steht nach dem Sozialdienst wohl ein Comeback des Bunga-Bunga-Königs an.
Darüber darf man schreiben, es ist (fast) alles, was alles geschah, gewissermaßen gerichtsnotorisch festgehalten. Oder gut bebildert berichtet. Hierzulande wurde unsereins in Bonner Vorzeiten allerdings massiv davor gewarnt, auch nur halbwegs erkennbar etwa über Helmut Kohl Andeutungen zu wagen. Vorsicht! Bis auf den „Spiegel“, weiland das „Sturmgeschütz der Demokratie“, das sich darum wenig scherte und allen großartige Anspielungen bescherte; die sogar noch heute besser nicht geschrieben werden, weil die Kohls alles sehr genau verfolgen.

Was hat er Willy für Vorhaltungen gemacht!

Bei Willy Brandt war das noch anders gewesen. Da glaubte eigentlich jeder, nicht nur gehört zu haben, sondern genau zu wissen, dass er mit ganz vielen … Geschadet hat es ihm nichts, dieser Ruf, ein melancholischer Frauenheld zu sein. Was Schmidt natürlich nicht ruhen ließ, aus alter Feind-Freundschaft. Was hat er Willy für Vorhaltungen gemacht! Inzwischen fragt die „Bild“-Zeitung, wie viele Geliebte Schmidt wirklich gehabt habe. Nun ja, nun ja.


Oder denken wir kurz an Gerhard Schröder. (Der war Kanzler, bevor er eine Beziehung mit Putin einging.)
Aber heute ist das sowieso überholt. Das Private ist nicht mehr so politisch, dass einer wegen vier Ehen oder einer Geliebten ums Regieren fürchten müsste. Außerdem haben wir jetzt für immer eine Kanzlerin.

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