Meinung : Die Teufel, die sie riefen

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Einen Moment lang blitzte im Karikaturenstreit eine panislamische Frontstellung gegenüber dem Westen auf. Der Anschlag auf die Moschee von Samarra zeigt nun eindrücklich, was für ein tiefer Graben sich durch die muslimische Welt selbst zieht. Es geht um mehr als eine innerirakische Auseinandersetzung, hier wird auch der jahrhundertealte Kampf zwischen Schiiten und Sunniten in der Region ausgefochten. Irak ist längst zum Schlachtfeld eines Stellvertreterkrieges geworden: Iran wittert die Gelegenheit, ein arabisches Land in den schiitischen Machtbereich zu überführen, während die Sunniten tatkräftige Unterstützung aus Saudi-Arabien erhalten, der sunnitischen Gegenmacht zu Iran. Und jordanische Hotels werden zur Ruhezone für Baathisten, die sich vom Kampf im Irak erholen. Es ist also kein Wunder, dass sich maßgebliche sunnitische Imame nicht mit unmissverständlichen Fatwas gegen einen Terrorismus stellen, dem im Irak inzwischen vor allem schiitische Muslime zum Opfer fallen. Genauso wenig überrascht, dass Irans Präsident Mahmud Achmadinedschad Zionisten und Amerikaner für den Anschlag von Samarra verantwortlich macht. Es ist eben allemal einfacher, den Westen zu verteufeln, als sich mit den Dämonen innerhalb der eigenen muslimischen Zivilisation auseinander zu setzen. clw

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