Dienstwagenaffäre : Spanien oder Bad Pyrmont

Nur durch den Dienstwagenskandal kam die Wahrheit heraus. Heidi Wieczorek-Zeul fährt nach Bad Pyrmont, Horst Seehofer macht Urlaub in Schamhaupten. Ulla Schmidts Dienstwagennutzung erscheint da geradezu mondän.

Moritz Schuller

Wir wollten die Wahrheit, und das ist sie nun: Die deutsche Entwicklungshilfeministerin fährt mit ihrem Dienstwagen in den Urlaub nach Bad Pyrmont. In Bad Pyrmont also endet der Dienstwagenskandal. Die Dekadenz, die Verschwendungslust, auch der Neid, der bei jedem Dienstwagen mitschwingt – in Bad Pyrmont wird daraus nur noch Mitleid. Es ist geradezu Ausdruck protestantischer Sparsamkeit, dass Heidi Wieczorek-Zeul nicht die Flugbereitschaft der Bundeswehr angefordert hat, um sich so schnell wie möglich wieder aus Bad Pyrmont abtransportieren zu lassen. Die Wahrheit ist auch, dass Horst Seehofer über ein Ferienhaus in einem Ort namens Schamhaupten verfügt und auch in einem solchen Ort kann man sich keinen Dienstwagen vorstellen. Dass die Minister Scholz und Tiefensee ihre Dienstwagen bisweilen selber fahren, ist auch Teil der Wahrheit. Alle Fahrten waren deklariert und versteuert. Das ist alles so bieder, dass Ulla Schmidts Dienstwagennutzung geradezu mondän erscheint: Sie macht Urlaub im weit entfernten Spanien, lässt ihren Fahrer quer durch Europa fahren, im großen Bogen um Bad Pyrmont herum, und nennt das eine Dienstfahrt. Das ist in der Tat etwas anderes, als das, was ihre Kabinettskollegen so mit ihren Dienstwagen im Urlaub anstellen.

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