Düstere Warnungen : Segen der Apokalyptiker

Ob Finanzkrise oder Klimakatastrophe: Die Untergangsvisionäre wollen widerlegt werden.

Dagmar Dehmer

Die Finanzkrise ist ein laues Lüftchen verglichen mit dem, was auf die Welt zukommt, wenn der Klimawandel ungebremst voranschreitet. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Krisen: Die globale Erderwärmung lässt sich nicht mehr nachträglich mit ein paar Milliarden Dollar oder Euro reparieren. Aber noch hat die Welt die Chance, die Folgen der Erwärmung in einem Rahmen zu halten, der nur in einigen Teilen der Welt apokalyptische Ausmaße annimmt. Darüber wird in dieser Woche beim EU-Gipfel in Brüssel und beim Weltklimagipfel in Posen (Poznan) verhandelt.

Da sind sie wieder, die Apokalyptiker, die stets den Teufel an die Wand malen. Und am Ende dreht die Erde sich doch weiter, merken Gegner der Umweltschützer spitz an. Aber warum kommt es manchmal nicht so schlimm, wie die Apokalyptiker es vorhersagen? Die Antwort ist einfach: Weil es immer wieder genügend kluge Menschen in Verantwortung gibt, die auf sie hören. Es ist an der Zeit, die Untergangsvisionäre zu rehabilitieren.

Das beste Beispiel für den Nutzen von düsteren Warnungen ist das Ozonloch. Anfang der 70er Jahre erkannten Forscher, dass Ozon in den Luftschichten der Stratosphäre (oberhalb von zehn Kilometern) durch Chemikalien abgebaut wurde, die in Spraydosen und als Kühlmittel eingesetzt wurden. 1984 waren sie sich dann endgültig einig, dass es Ozonlöcher gibt. 1987 reagierte die Weltgemeinschaft mit dem Montreal-Protokoll auf die Gefahren, wie beispielsweise sprunghaft steigenden Hautkrebsraten vor allem in Australien. Der Erfolg ist durchschlagend: Mit dem Verbot der Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe in den Industriestaaten und den finanziellen Hilfen beim Verzicht auf die Chemikalien in Entwicklungsländern ist es gelungen, den Prozess zu stoppen. Bis Mitte des Jahrhunderts könnten sich die Ozonlöcher sogar wieder schließen. Die Apokalyptiker hatten mit ihren Prognosen also nicht recht. Aber nur deshalb, weil rechtzeitig gehandelt wurde.

Auch die Warnung vor einem großflächigen Waldsterben in den 80er Jahren hatte Wirkung. Die Industrie musste Schwefeldioxid aus ihren Abgasen herausfiltern. Und mit dem Zusammenbruch der osteuropäischen Industrie nach 1989 verschwand der „saure Regen“ endgültig – aus Europa. Auch diesen umweltpolitischen Erfolg können sich die Apokalyptiker auf ihrem Konto gutschreiben. Genau das wollen die Umwelt-Apokalyptiker – nicht recht behalten.

Ob das im Fall der Erderwärmung noch möglich ist, entscheidet sich bis Ende des kommenden Jahres, wenn in Kopenhagen ein neuer globaler Klimapakt geschlossen werden soll. Wenn alle 192 Regierungen der Welt auf die Apokalyptiker hören, können sie die Katastrophe für einen Großteil der Menschheit aufhalten. Schon jetzt ist aber sicher, dass sich die Landkarte der Erde unwiederbringlich verändern wird: Die Malediven, Tuvalu, Kiribati und einige andere kleine Inselstaaten werden im Meer versinken. Zumindest den Küstengroßstädten der Welt kann das noch erspart werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben