Meinung : Ein bisschen Spaß muss sein

„Werdet fahnenflüchtig“ vom 16. Juni

Ich möchte den britischen Botschafter Sir Lever vorstellen, der uns Deutschen riet, doch ein bisschen mehr Spaß an unserer Nationalbeschaffenheit zu haben, die, jedenfalls im nördlichen Deutschland, der englischen so erstaunlich nahekomme … Unser Problem sind heute nicht „Schwarz-Rot-Gold an Balkonen und Autos, auf Jünglingswangen und um „Hundehälse“, sondern die dominante Neigung der politischen und intellektuellen Eliten, „Sonderwege“ aufzutun; mindestens jedoch „besser“ zu sein als andere. Hans Mayer, renommierter Literaturwissenschaftler leitet 1977 in einer Rede vom „Deutschen Selbstempfinden“, das „merkwürdig schwache Selbstgefühl von uns Deutschen“, das sich in Selbsthass äußern oder zu Nationalismus aufblähen und in Hass und Gewalt gegen unsere Nachbarn, gegen Fremdes und Fremde ausbrechen kann, aus unserer Geschichte her. Ich vermisse mancher Orten und auch in dem Text, eine für mich selbstverständliche Identifizierung mit unserem Land, seiner Geschichte, seiner politischen Ordnung, mit der uns eigenen Lebensweise, deren Vorzüge und Freiheiten man ebenso genießt, wie man deren Missstände tadelt. Nur eine derartige kulturell-zivilisatorische-politische Souveränität kann die Grundlage für ein gleichberechtigtes Koexistieren von Völkern und Religionen sein, für ein gedeihliches Zusammenleben! Es muss endlich Schluss sein mit dem fatalen Diktum: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ – im Guten wie im Schlechten, wobei die historische Abfolge eher nahelegt – im Schlechten wie im vermeintlich Guten. Ich meine schon, auch „ohne Banner ein guter Bürger zu sein“.

Dr. Stephan Wohanka, Berlin

Der Artikel stellt eine, wenn auch unbeabsichtigte, Legitimierung für linksextreme Kräfte in dieser Stadt, die vor zwei Jahren sogar bei arabischstämmigen Deutschen in Neukölln eine riesige Fahne in der Sonnenallee klauen wollten, was zum Glück verhindert werden konnte. Die Welt zu Gast bei Freunden im Jahr 2006 funktionierte doch auch deshalb so gut, weil die Freunde hierzulande zu einem kleinen Teil bereits aus der Welt bestanden, Stichwort: Özil, Khedira, Gomez, Klose und Podolski. Vier Wochen Fußball-WM 2006 haben mehr für die Integration getan als vier Legislaturperioden unter Helmut Kohl. Die Regierungen davor, ob SPD- oder CDU-geführt, kann man noch entschuldigen, weil der Zeitgeist bis Anfang der 80er noch nicht reif für eine progressive Migrations- und Integrationspolitik war.

Eugen Kontschieder, Berlin-Neukölln

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