Meinung : Ein Ende mit Schrecken

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Noch stehen die Versionen nebeneinander und dabei so weit auseinander, dass sie nicht in Einklang gebracht werden können: Entweder das Auto, das die frei gelassene italienische Journalistin Giuliana Sgrena zum Bagdader Flughafen bringen sollte, fuhr sehr schnell auf eine Straßensperre zu, oder mit normalem Tempo und hatte die Sperren längst hinter sich gelassen; entweder wurde der Fahrer gewarnt, wie Washington behauptet, oder nicht; entweder die Amerikaner wussten nichts von dem Transport, oder, wie Sgrena andeutet, sie schossen bewusst auf das Auto. Aus einem individuellem Martyrium, das schon bald durch die öffentliche Aufmerksamkeit mehr war als nur das, ist nun endgültig ein Politikum geworden. Um die Beziehungen zu Italien nicht weiter zu belasten, aber auch um ihrer eigenen Glaubwürdigkeit willen, sollten die Amerikaner sich unverzüglich an eine „restlose Aufklärung“ des Zwischenfalls machen, wie es Verteidigungsminister Donald Rumsfeld versprochen hat. Kommunikationsprobleme oder grobe Nachlässigkeit: Je länger die Versionen so weit auseinander klaffen, desto schneller steigt der Unmut, in Italien auch über die eigene militärische Präsenz im Irak. Dass Sgrena für ihren Vorwurf, sie sei „Zielscheibe“ der Amerikaner gewesen, sogar die eigenen Entführer als Zeugen ins Feld führt, mag den schrecklichen Erfahrungen der letzten Tagen geschuldet sein. Der italienische Geheimdienst hat diese Version jedenfalls bereits zurückgewiesen.mos

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