Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst : Lasst auch Egoisten ran

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Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Jahr alt geworden – und er hat sich ordentlich gemacht. 35 000 Menschen sind im Einsatz, in Behindertenwerkstätten, Altenheimen und Krankenhäusern. Das sind deutlich mehr als erwartet, es gibt mehr Interessenten als Bewerber. Die Sozialverbände mahnen bereits, die „Bufdis“ dürften keine regulären Jobs verdrängen. So steht es auch im Gesetz.

Dass Stellen im Sozialbereich, gerade in der Altenpflege, abgebaut werden, ist allerdings in den kommenden Jahrzehnten ohnehin kaum zu erwarten, im Gegenteil. Vermutlich werden Pflegeeinrichtungen aller Art auf Dauer nicht ohne Freiwillige zu finanzieren sein, jedenfalls nicht über „satt und sauber“ hinaus. Wie es mit dem Bundesfreiwilligendienst weitergeht, ist daher keineswegs eine politische Marginalie. Er hat das Potenzial, eine wichtige Säule einer humanen Versorgung in einer alternden Gesellschaft zu werden.

Um das zu erreichen, kommt es darauf an, ehrlich die Motive derjenigen zu ermitteln, die sich engagieren. Auf den ersten Blick sieht es im Moment so aus, als werde der Traum der sozialen Utopisten wahr: Gibt man dem Menschen nur genug Freiheit, zieht ein Heer von Altruisten los und wäscht und windelt, was das Zeug hält.

Eine erste, nicht repräsentative Befragung der „Bufdis“, die die Hertie School of Governance und die Uni Heidelberg zum Einjährigen präsentieren, zeichnet ein anderes Bild. Zentrales Merkmal der Freiwilligen sei, dass es sich um Menschen in „Umbruchsituationen“ handele: Jugendliche, die noch nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen wollen, Mütter nach der Babypause, Hartz-IV-Empfänger und Rentner, die ihr geringes Einkommen aufbessern wollen, Menschen, für die das Taschengeld von 330 Euro monatlich kein Problem oder eine Verbesserung darstellt. Diese Basis muss breiter werden. Fitte Frührentner und ältere Arbeitnehmer, die nicht schlecht verdienen, aber eine Auszeit nehmen wollen, wären eine ideale Zielgruppe. Bislang ist nur ein Zehntel der Bufdis über 50. Um sie zu erreichen, müsste das Taschengeld erhöht werden. Denkbar wäre auch die Kooperation mit Unternehmen, die den „Bufdi“ als Sabbatical unterstützen. Die meisten Freiwilligen suchen vor allem nach einer sinnstiftenden Tätigkeit. Idealistische Aussteiger sind sie nicht.

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