Ein Zwischenruf ... : ... zum Aufschwung

Vielleicht ist sie schon vorbei: die größte Wirtschaftskrise seit Menschengedenken. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Ursula Weidenfeld
291360_0_7f70a45b.jpg
Mike Wolff

In vielen wichtigen Volkswirtschaften der Welt gibt es wieder Wachstum. In anderen, Deutschland und die USA sind darunter, wird die Wirtschaft im Herbst spätestens wieder schwarze Zahlen schreiben. Die Banken machen wieder Milliardengewinne, die Börsen notieren stark steigende Kurse. Millionenteure Boni werden wieder ausgezahlt. Ein Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag diskutiert die Schuldfrage.

Gut gemacht, Deutschland, möchte man da doch ausrufen. Die Regierung hat sich spät, aber gerade noch früh genug zur Rettung der Banken durchgerungen. Ein paar ausgesuchte Unternehmen bekamen auch noch eine Gnadenfrist. Die Regierung hat ein Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, das offensichtlich wirkt. Der Konsument ist ruhig geblieben, gut gelaunt in die Kurzarbeit gegangen und hat dazu noch ein neues Auto gekauft.

Wenn das stimmt, wird es nach der Bundestagswahl nur eine große Frage geben: Wer bezahlt? Zusätzliche Staatsschulden von etwa 500 Milliarden Euro werden die öffentlichen Haushalte in schwerste Bedrängnis bringen. Öffentliche Leistungen müssen eingeschränkt werden, die Sozialversicherungsbeiträge steigen trotzdem. Schon der Koalitionsvertrag, den eine neue Regierung schließen wird, wird viele dieser Botschaften enthalten. Die Arbeitslosigkeit wird erst einmal deutlich ansteigen. Allein die Autokonzerne werden tausende von Mitarbeitern entlassen, wenn die Abwrackprämie ausläuft.

Kaum vorstellbar, dass die Verbraucher dann immer noch so gelassen bleiben. Wahrscheinlicher ist, dass in diesem Herbst und Winter die Wirtschaftskrise mit Wucht in Deutschland ankommt. Dann, wenn sie auf dem Papier bewältigt ist. Dann wird sich rächen, dass die Bundesregierung nach den gewaltigen Rettungsanstrengungen der vergangenen zwölf Monate ihr Hauptversprechen nicht mehr angepackt hat: Sie hat zwar viel über neue Finanzmarktregeln geredet, sich aber dann mit Kosmetik begnügt.

Das ist übrigens das beste denkbare Szenario. Das andere heißt: Die Rezession ist nicht vorbei, sie macht nur eine Sommerpause. Auch dann werden im Herbst die Arbeitslosenzahlen steigen, auch dann müssen Leistungen eingeschränkt und Sozialbeiträge angehoben werden. Aber dann wird dazu noch die große Krise auch in diesem Land nachgeholt, in all ihren hässlichen Details.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben