Ein Zwischenruf zur … : … Bildung < i>

Ursula Weidenfeld. Foto: Mike Wolff
Ursula Weidenfeld.Foto: Mike Wolff

Deutschland wird dümmer und dümmer. So klang die Klage von Eltern, Lehrern und Hochschulprofessoren, kaum war der Bildungsgipfel gescheitert. Das Ziel der Bundes- und der Länderregierungen, im Jahr 2015 zehn Prozent der wirtschaftlichen Gesamtleistung des Landes für Bildung auszugeben, wird wohl nicht erreicht. Doch wird Deutschland deshalb wirklich doof? Deutschland gibt nicht zu wenig Geld für die Bildung aus – zuallererst gibt es das Geld falsch aus.

An Geld fehlt es eigentlich nur in zwei Bereichen: in der frühkindlichen Bildung und bei den Hochschulen. Die Schulen dagegen sind im Großen und Ganzen ordentlich ausgestattet. Nur können die Lehrer und Direktoren das Geld leider nicht da ausgeben, wo sie es für nötig halten. Schulen haben meist nicht einmal ein eigenes Konto. Ein Direktor kann nicht entscheiden, ob er lieber eine Schulkantine einrichtet oder zwei Psychologen einstellt. Mehr Geld in dieses System zu pumpen, würde nur dazu führen, dass mehr Akademiker von dem Missstand leben könnten. Die Schulen würden dadurch um keinen Deut besser. Besser könnten sie werden, wenn sich die Bildungspolitiker aus den Schulen heraushielten und nur noch mit regelmäßigen Lernstandskontrollen und zentralen Abschlüssen kontrollierten, ob das Ergebnis stimmt. Das kostet kein Geld, das kostet nur Mut.

Im frühkindlichen Bereich ist das anders. Hier müssen Kapazitäten oft erst noch ausgebaut werden. Und es muss dafür gesorgt werden, dass die richtigen Kinder davon profitieren. Woher soll das Geld kommen? Das ist völlig unklar – zumal sich die Länder nach und nach den Weg verbauen, Studiengebühren zu erheben und so in einem anderen Bildungsbereich zu sparen. Für Studiengebühren bekomme man keine gesellschaftliche Mehrheit, gab der saarländische Ministerpräsident kürzlich zu Protokoll. Was für ein Skandal: Da fehlt in allen Ländern Geld, um möglichst alle Kinder aus bildungsfernen Familien früh in den Kindergarten schicken zu können, aber die Privilegierten des Systems verweigern die gesellschaftliche Mehrheit für Studiengebühren. Dabei haben Studenten glänzende Aussichten: Wer studiert, verdient viel mehr als die anderen, er ist seltener arbeitslos, lebt gesünder und länger. Auch wenn heute für viele der Berufsstart nicht befriedigend ausfällt: Diese Leute sind durchaus in der Lage, irgendwann ihre Studienkredite zurückzuzahlen.

Zu wenig Geld. Das ist in der Bildungslandschaft immer noch die liebste Entschuldigung dafür, schlecht bleiben zu dürfen. Das kann sich Deutschland nicht mehr leisten – nur neun Prozent für die Bildung auszugeben, schon.

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