Ein Zwischenruf zur … : …Generation 60 plus

Barbara John über die Schaffenskraft der Rentner.

Barbara John

Rentner werden, das gehört zum unausweichlichen Schicksal der meisten Menschen in Deutschland, fast so wie Schüler sein. Das Schlechteste ist es nicht, im letzten Drittel des Erwachsenenlebens die Früchte eines langen Arbeitslebens nur pflücken und genießen zu dürfen, wäre da nicht der Dauerstreit über die Höhe der Renten und die Länge der Lebensarbeitzeit. Um nicht missverstanden zu werden: Politische Scharmützel darüber müssen sein; schließlich kann sich auch das staatliche Rentensystem dem gewaltigen, schnellen Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft nicht entziehen.

Aber der Streit hat lausige Nebenwirkungen. Von der Generation 60 plus wird ein Altersbild erzeugt, das sie darauf reduziert, als Kostenfaktor zu gelten. Das ist zwar grundfalsch, dennoch prägt es auch das Selbstbild vieler Älterer mit der Folge, sich dieser Einschätzung mehr oder weniger anzupassen. Und schon erlahmen Produktivität und Schwung. Wo bleibt ein übergeordneter, neuer Entwurf, wie das Altern wahrzunehmen und damit umzugehen ist? Es sind die Älteren selbst, die begonnen haben, neue Maßstäbe zu setzen, auszubrechen aus dem ideologischen „Altenheim“, wo sie angeblich nur mit sich beschäftigt sind.

Mehr als 40 Prozent der 60- bis 69-Jährigen engagieren sich in Ehrenämtern. Der Wert dieser Arbeit – viele sind noch mit 85 dabei – beträgt 42 Milliarden Euro jährlich. Etwa 18 Milliarden fließen innerhalb der Familien von den Älteren zu den Jüngeren. Es gibt neben dem öffentlichen also noch einen privaten Generationenvertrag in umgekehrter Richtung. Dennoch wäre es falsch, die Älteren auf Ehrenamtlichkeit zu fixieren. Sie können und wollen mehr, bleiben aber oft in gesellschaftlichen Klischees hängen. Denn vergreist, erstarrt und veraltet sind die Begriffe und Vorstellungen über den dritten Lebensabschnitt. Das gilt auch für die „altersgerechte“ Infrastruktur, wo nicht gemeinschaftliches Lernen und Tätigsein im Mittelpunkt stehen, sondern Essen, Trinken und Unterhaltungskonsum.

Warum sollen Rentner, die es wollen und können, nicht auch gezielt für eine Erwerbstätigkeit gewonnen werden? Sie betreiben damit keinen Arbeitsplatzklau gegenüber Jüngeren, sondern helfen dabei, die Sozialabgaben senken. Das schafft Beschäftigung. Weil Schaffenskraft und Gesundheit einander bedingen, verfügen wir – gerade durch die wachsende Zahl der Älteren – über riesige, noch unausgeschöpfte Potenziale.

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