Ein Zwischenruf zur … : …Hauptschule

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Nun will also auch die CDU die Hauptschule offiziell abschaffen. Das ist falsch, aus zwei Gründen: Erstens tut das neue Bildungspapier der Christdemokraten, das auf dem Parteitag im November beschlossen werden soll, so, als würde heute noch die Politik über die Zukunft der Schulformen in Deutschland bestimmen. Dabei tun das längst die Eltern. Lehnen sie eine Schule ab, schicken sie ihre Kinder nicht dorthin. Zweitens aber, schlimmer noch, gibt sich nun auch die CDU dem Glauben hin, als könne man mit der Hauptschule auch die Hauptschüler abschaffen.

Das ist Unsinn. Nicht jeder, der in Deutschland auf eine Hauptschule geht, lernt tatsächlich weit unter seinem Potenzial. Manche der Kinder und Jugendlichen haben es tatsächlich nicht so sehr mit der Mathematik, manche sind wirklich praktisch begabt, manche sind zu undiszipliniert, manche zu dumm für einen höheren Schulabschluss. Statt sich aber darauf zu konzentrieren, diesen Schülern Lern- und Berufsmöglichkeiten zu eröffnen, die zu ihnen passen, soll jetzt möglichst jeder von Kindesbeinen an ein Ingenieur werden müssen.

Das ist eine populäre, zutiefst sozialdemokratische Haltung. Doch es ist ein Geschäft mit Illusionen, das den betroffenen Kindern und Jugendlichen gar nicht nutzt. Wenn es stimmt, dass künftig alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland schon aus demografischen Gründen beste Berufschancen haben, dann können sie auch Pflegehelfer, Gartenhelfer, Verkäuferinnen oder Hausmeister werden, ohne dass man um sie und ihre Zukunft fürchten muss. Auch dumme Kinder können klug handeln – wenn sie und ihre Eltern realistisch mit ihren Chancen umgehen lernen.

Natürlich weiß auch die CDU, dass allein durch das Abschaffen der Hauptschule aus Deutschland noch kein Bildungsland wird. Deshalb hat sie sich die „Magnetschule“ für Gegenden mit vielen besonders problematischen Jugendlichen ausgedacht. Hier sollen besonders viele Pädagogen besonders viele individuelle Förderwege für die Kinder finden. Prima Idee. Doch genau das wird heute auch in guten Hauptschulen geleistet. Die CDU mogelt sich um eine wichtige Einsicht herum: Es geht gar nicht um den Schultyp. Es geht um gute und um schlechte Schulen. Gute Schulen werden nicht von Bildungspolitikern gemacht. Sie werden von Direktoren und Lehrern, von Eltern und Schülern, von Schulsekretärinnen und Hausmeistern geprägt. Schlechte Schulen dagegen werden zu Recht abgewählt. Sie müssen schließen. Alle. Nicht nur Hauptschulen.

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